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wlb - Wasser, Luft und Boden 4/2016

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WASSER-/ABWASSERTECHNIK

WASSER-/ABWASSERTECHNIK Der Schatz im Untergrund Abwasserinfrastrukturen nachhaltig ertüchtigen Markus Biegel Die wertvollste Infrastruktur liegt in Deutschland unter der Erde: die öffentliche Kanalisation. Ein Schatz, der gehütet werden will. Doch dafür fehlt den Eigentümern, also den Kommunen, in der Regel das Geld. Und doch ergibt es Sinn, klug zu investieren, nachhaltig zu wirtschaften und damit schon heute an die Zukunft zu denken. Autor: Dr. Markus Biegel, Bereichsleiter technische Dienste, Veolia Deutschland, Geschäftsbereich Wasser, Leipzig Die öffentlichen Abwasserkanäle erstrecken sich deutschlandweit über eine Länge von 500 000 km. Ein Wert von schätzungsweise 700 Mrd. EUR. Und es ist Sache der Kommunen, sich um diesen Wert zu kümmern. Sie sind Auf gabenträger der öffentlichen Daseinsvorsorge und damit verantwortlich, das in Haushalten und Unternehmen anfallende Abwasser sicher abzuleiten und umweltgerecht zu behandeln. Doch die Kanäle sind oftmals alt und marode und die Kassen leer. Was ungeachtet der bekanntermaßen angespannten finanziellen Lage der Kommunen vielerorts fehlt, ist eine nachhaltig wirksame Strategie, die Kanalisation so zu unterhalten, dass man künftigen Generationen etwas überlassen kann, mit dem diese weitere Jahre, bestenfalls Jahrzehnte vernünftig arbeiten können. Es muss folglich eine durchdachte Strategie her, um die knappen Mittel der Kommunen bestmöglich zu nutzen. Je früher man reagiert, desto geringer fallen die Reparaturkosten aus und desto länger kann die Substanz erhalten werden. Das sind die Erfahrungen der Veolia-Gruppe in Deutschland, die als Partner von Kommunen und Verbänden als Abwasserdienstleister in Erscheinung tritt und den Betrieb der Kanalnetze managt. Die Problemlagen sind vielerorts ähnlich. Gerade mittlere und kleinere Kommunen wissen nur in geringem Maße um den Zustand ihrer Kanalisation. Sie lassen ihre Kanäle – wie vom Gesetzgeber gefordert – mit Spezialkameras befahren, ohne diese im Nachgang vollständig auszuwerten. Aber die Aufzeichnungen einer solchen Momentaufnahme nützen losgelöst von anderen Betrachtungen wenig. Sie verleiten bestenfalls dazu, im Stil eines Feuerwehreinsatzes dort zu löschen, wo das Feuer am stärksten lodert. Die vorhandenen Daten jedoch zu bewerten und daraus konkrete Handlungsfelder abzustecken – das ist ein Schritt, den viele Aufgabenträger bisher nicht gegangen sind. Angepasste Sanierungsstrategien entwickeln Weil die exakte Kenntnis und Analyse der Abwasserinfrastruktur aber die entscheidende Voraussetzung ist, um gezielt handeln zu können, hat Veolia das modular aufgebaute Auswertungsprogramm Prosa- K entwickelt. Prosa-K steht für Prognoseund Szenario-Anwendung Kanal. Damit werden Kommunen in die Lage versetzt, die Substanz und den Zustand ihrer Kanalisation zu ermitteln, zu bewerten und über konkrete Kostenvergleichsrechnungen die jeweils beste Sanierungsstrategie abzuleiten. Auf Basis der Kamerabilder aus dem Untergrund ermittelt Prosa-K über den momentanen Zustand der Kanäle hinaus weitere Erkenntnisse zum Substanzwert und zum Alterungsverhalten des öffentlichen 10 wlb 4/2016

WASSER-/ABWASSERTECHNIK Abwassernetzes. Diese drei Informationen, Zustand (was muss ich unverzüglich unternehmen, um die Funktion der Abwasserableitung zu gewährleisten und damit meiner Aufgabe in der öffentlichen Daseinsvorsorge gerecht zu werden), Substanz (welche Restnutzungsdauer hat mein Kanal noch, bis ich ihn definitiv erneuern muss) und Alterungsverhalten (wie schnell altert mein Kanal tatsächlich) sind notwendig, um angepasste Sanierungsstrategien entwickeln zu können. Aus diesen Basis-Informationen kann mit Prosa-K abgeleitet werden, mit welchen Kosten die Kommune rechnen muss, wenn das Kanalsystem auch kommenden Generationen noch funktionstüchtig zur Verfügung stehen soll. Und nur so kann vermieden werden, dass wir alle beim Umgang mit der vorhandenen Abwasserinfrastruktur unter der Erde jetzt auf Kosten künftiger Generationen leben, die es irgendwann teuer sanieren müssen, weil notwendige Sanierungsmaßnahmen heute in die Zukunft verschoben wurden. Alterungsmodell unterstützt Investitionsentscheidung Kommunen, Abwasserverbände oder Stadt - werke wie in Weißwasser (SWW) haben dank Prosa-K eine andere Sicht auf ihren 01 Auf Basis der Kamerabilder ermittelt Prosa-K über den momentanen Zustand der Kanäle hinaus weitere Erkenntnisse zum Substanzwert und zum Alterungsverhalten des öffentlichen Abwassernetzes 02 Gerade mittlere und kleinere Kommunen wissen nur in geringem Maße um den Zustand ihrer Kanalisation „Schatz“ erhalten. „Wir hatten vorher bereits viele Informationen zu unserer Kanalisation. Aber dank Prosa-K sind wir einen Schritt weiter“, sagt die Vorsitzende der SWW-Geschäftsführung, Ellen Aust-Gruß. „Jetzt werden die Ergebnisse der Kamerabefahrungen nicht nur aufgenommen und archiviert, sondern sie werden ausgewertet. Daraus können wir nun eine Klassifizierung der Kanäle in Schadensklassen ableiten. Im Ergebnis liefert uns das bei Veolia und damit im eigenen Haus entwickelte Programm einen Sanierungsvorschlag, der in den nächsten Jahren schrittweise in unsere Planung einfließen wird. Wir haben eine nützliche Entscheidungshilfe erhalten. Zusätzlich erstellt Prosa-K ein Alterungsmodell der Kanäle, woraus die Entwicklung des Anlagevermögens auf lange Sicht ersichtlich ist. Auf dieser Basis können wir besser abwägen zwischen Investitions- und Sanierungsentscheidungen.“ www.veolia.com Einfacher Austausch, mehr Wirtschaftlichkeit und höhere Zuverlässigkeit mit Norm- und Blockpumpen von Grundfos. Ein Anwendungsbeispiel: Die Stadtwerke Kiel mussten die veraltete Trinkwasser- Druckerhöhungsanlage in Kiel-Holtenau durch ein modernes und leistungsfähiges System ersetzen. Die Lösung von Grundfos: drei in einer Kompaktanlage zusammengefasste Normblockpumpen des Typs NBE 80-315/320. Das Ergebnis: eine deutlich erhöhte Effizienz, reduzierte Wartungskosten und maximale Flexibilität durch eine intelligente Steuerung. Erfahren Sie jetzt mehr auf www.grundfos.de/move und erleben Sie Grundfos bei einem exklusiven Event selbst. wlb 3/2016 11