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wlb - Wasser, Luft und Boden 4/2015

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ALTLASTENMANAGEMENT

ALTLASTENMANAGEMENT Standortsanierung. Das numerische Transportmodell bietet die Möglichkeit, für isolierte Standorte verschiedene Sanierungsszenarien zu betrachten und variantenbezogene Prognosen für die zukünftige Schadstoffausbreitung abzugeben. Dadurch konnten fünf Standorte mit besonders hoher Bearbeitungspriorität identifiziert sowie Wechselwirkungen im Transportraum zwischen den Schadstoffherden und den Rezeptoren in die Gefährdungsabschätzung und die Bewertung von Standorten einbezogen werden. Das Rahmensanierungskonzept als Bestandteil des Grundwassermanagementplans beschreibt die zu ergreifenden Maßnahmen, um die gesteckten Sanierungsziele erreichen zu können. Es wird für die Standorte entwickelt, für die sich aufgrund der Prognoseläufe ein entsprechender zusätzlicher Untersuchungsund Sanierungsbedarf ergibt. Um die Wirksamkeit des Rahmensanierungskonzeptes zu überprüfen, müssen die Auswirkungen und Erfolge der Sanierungsmaßnahmen mit einem Monitoringprogramm überwacht werden. Der Grundwassermanagementplan wurde dem Stuttgarter Gemeinderat vorgelegt und erlangte dadurch Verbindlichkeit. Aus der Praxis für die Praxis 02 Schichtenmodell: Morphologie und Geologie im Stuttgarter Talkessel (Landeshauptstadt Stuttgart 2015) geblichen Standorten wurden anhand der Messstellen im direkten Abstrom und dem Austrag durch die hydraulischen Sanierungen (pump and treat) bestimmt, sodass nur die von den Standorten abströmenden Nettofrachten im Modell berücksichtigt wurden. Die Transportmodellierung zeigt, dass wenige Standorte das Kontaminationsausmaß im Grundwasser vollständig prägen. Hinsichtlich der Verlagerung von LCKW in tiefe Grundwasserstockwerke konnten fünf „Schlüsselstandorte“ ausgemacht werden. Die Kontamination der Mineral- und Heilquellen geht im Wesentlichen von drei Standorten im Nahfeld der Quellen aus. Mit den dort gewonnenen Erkenntnissen gelingt es, das Schadensmuster in den Mineral- und Heilquellen in seinen Grundzügen nachzubilden. Die Massenbilanz des LCKW-Transports ergibt für 2010 noch einen Eintrag von 60 g/d Perchlorethen (PCE) und von 20 g/d Trichlorethen (TCE). Vor Beginn der Sanierungen war der LCKW-Abstrom aus den Schadensherden um ein Vielfaches höher. In den von den Schadensherden ausgehenden Fahnen waren bis zu 2000 kg PCE und 100 kg TCE gespeichert. Die hauptsächliche Speicherung der Masse erfolgte vor allem im Gipskeuper, da dort die Strömungsgeschwindigkeiten vergleichsweise klein sind. Da der Muschelkalkaquifer einen hohen Grundwasserumsatz aufweist, werden die LCKW-Konzentrationen aus dem Unterkeuper beim Übertritt in den Muschelkalk deutlich verdünnt. Hier sind PCE- und TCE-Massen von jeweils 5 kg gespeichert. An den Mineral- und Heilquellen werden in der Summe ca. 20 g/d LCKW ausgetragen. Dies entspricht einer mittleren LCKW- Konzentration von 1 µg/l bezogen auf einen Gesamtabfluss von 225 l/s. Gezielte Behandlung Die Ergebnisse der integralen Grundwasser- und Altlastenuntersuchung und die zur Sicherstellung des guten Grundwasserzustandes notwendigen Maßnahmen werden im integralen Altlastenmanagementplan zusammengefasst. In Berichten, Karten, Datenbanken und mit einem EDV-Visualisierungswerkzeug liefert er die Grundlagen für die gezielte Behandlung der LCKW- Verunreinigungen im Grundwasser. Der Managementplan setzt Prioritäten für die Die grundsätzliche Vorgehensweise bei der Planung und Umsetzung integraler Altlastenuntersuchungen beschreibt die Veröffentlichung „Integrales Altlastenmanagement – Leitfaden und Handlungshilfe zur integralen Untersuchung und Sanierung von Altlasten“ der Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg (LUBW 2014). Die LUBW hat das Projekt MAGPlan als assoziierter Partner der Landeshauptstadt Stuttgart fachlich begleitet und war für die Umsetzung der Erkenntnisse in praktische Handlungsempfehlungen zuständig. Die Strategie der ganzheitlichen Schadensbearbeitung ist ein Projekt „aus der Praxis für die Praxis“ und als Handlungs anleitung ein richtungsweisender Baustein für den zukünftigen Grundwasserschutz in Stuttgart. Vorgehensweise und Ergebnisse für Stuttgart sind zusammengefasst in dem Buch „Chlorierte Kohlenwasserstoffe im Grundwasser – Untersuchungsmethoden, Modelle und ein Managementplan für Stuttgart“, im Springer Vieweg Verlag verlegt und herausgegeben von Hermann Josef Kirchholtes und Wolfgang Ufrecht (Landeshauptstadt Stuttgart 2015). Foto: Fotolia www.stuttgart.de/umwelt www.lubw.baden-wuerttemberg.de 6 TerraTech 4/2015

ABFALL- UND ALTLASTENRECHT Nierenfunktion der Abfallwirtschaft Mineralische Abfälle umweltgerecht verwerten Heinz-Ulrich Bertram Mineralische Abfälle bilden bundesweit den mit Abstand größten Abfallstrom. Die Nutzung dieser Abfälle ist in den meisten Fällen sinnvoll, es können von Verwertungsmaßnahmen allerdings auch erhebliche Umweltbelastungen ausgehen, durch deren nachträglich erforderliche Sicherungs- und Sanierungsmaßnahmen ein hoher volkswirtschaftlicher Schaden entstehen kann. Mineralische Abfälle bilden mit einem Jahresaufkommen von etwa 240 Millionen Tonnen bundesweit den mit Abstand größten Abfallstrom [1]. Die Nutzung dieser Abfälle ist im Grundsatz sinnvoll, weil dadurch Primärrohstoffe substituiert sowie der Verbrauch der Landschaft durch Rohstoffabbaustätten und Deponien reduziert werden. Ihr sind jedoch dort Grenzen zu setzen, wo Autor: MR Dr.-Ing. Heinz-Ulrich Bertram, Niedersächsisches Ministerium für Umwelt und Klimaschutz, Hannover Der Gesetzgeber hat mit dem Kreislaufwirtschaftsgesetz (KrWG) den hierfür ern in den Abfällen enthaltene Schadstoffe durch die Verwertung großräumig und unumkehrbar verteilt werden n Boden und Grundwasser durch diese Schadstoffe belastet werden n die Abfälle nicht sinnvoll genutzt werden (können) n die Behandlung von Abfällen mit dem Ziel der Verwertung zu hohen Kosten und Umweltbelastungen führt Die vergangenen Jahre haben gezeigt, dass von Verwertungsmaßnahmen nicht nur erhebliche Umweltbelastungen ausgehen können, sondern durch die dann nachträglich erforderlichen Sicherungs- und Sanie­ rungsmaßnahmen ein hoher volkswirtschaftlicher Schaden entstehen kann. Brunner weist daher darauf hin, dass nicht die Kreislaufwirtschaft das Ziel ist, sondern der Schutz der Umwelt und des Menschen [2]. Die Kreislaufwirtschaft kann lediglich als Instrument dienen, um dieses Ziel zu erreichen. Denn trotz aller gut gemeinten Bemühungen handelt es sich bei vielen (sogenannten) „Kreislaufprozessen“ um offene Systeme mit einem hohen Anreicherungsrisiko in den Medien Wasser und Boden bei zusätzlichen externen Stoffeinträgen. Der Erfolg der Abfallwirtschaft ist daher nicht an Recyclingraten zu messen, sondern daran, wie das eigentliche Ziel (= Schutz der Umwelt und des Menschen) erreicht worden ist. Vorzuziehen sind daher diejenigen Verfahren, mit deren Hilfe die größtmögliche Menge an Schadstoffen in die richtige Richtung gesteuert werden kann (Nierenfunk tion der Abfallwirtschaft). Rechtliche Grundlagen TerraTech 4/2015 7