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wlb - Wasser, Luft und Boden 3/2016

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SPEKTRUM Hessen im Fokus

SPEKTRUM Hessen im Fokus Neue Entwicklungen im Bereich Altlasten und Schadensfälle Autorin: Dipl.-Chem. Katja Friedl, Redakteurin, Vereinigte Fachverlage GmbH, Mainz Katja Friedl Der Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen lud zusammen mit dem Hessischen Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie im Juni zum Altlastenseminar nach Bad Camberg ein. Rund 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer informierten sich an zwei Tagen über neue Sanierungsverfahren, natürliche Abbauprozesse (MNA), die ökotoxikologische Bewertung und die Verhältnismäßigkeit langlaufender Sanierungen. 6 TerraTech 3/2016

SPEKTRUM Das Kurhaus von Bad Camberg bot den Rahmen für das diesjährige hessische Altlastenseminar. Volker Zeisberger und Prof. Dr. Thomas Schmid, beide vom Hessischen Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG), begrüßten die Teilnehmer und stimmten sie auf interessante zwei Tage ein. Über aktuelle Themen aus dem Ministerium berichtete Mustafa Dönmez, Hessisches Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (HMUKLV). So verwies er etwa auf den Leitfaden „Auswahl von Schaummitteln“ – ein Handbuch, das die PFC-Problematik in Löschschäumen behandelt. Dabei kann er als Erfolg verbuchen, dass die Feuerwehren nicht mehr mit PFC-haltigen Schäumen Übungen veranstalten. Der vorsorgende Bodenschutz und neue rechtliche Entwicklungen beschäftigten Dr. Jörg Martin, HMUKLV. Im zweiten Entwurf der BBodSchV von 2012 geht es u. a. um die Verfüllung in großem Umfang, die im Wesentlichen in der hessischen Verfüllrichtlinie von 2014 abgebildet wird. Weniger Übereinstimmung herrscht dagegen bei der Ersatzbaustoffverordnung. Hier gibt es Kritik der Länder, die der Verordnung vorwerfen, impraktikabel zu sein und es zuzulassen, dass zu viele Schadstoffe in den Boden gebracht werden. Nach der Kaffeepause blickte Dr. Anko Fischer von der Isodetect GmbH auf zehn Jahre Praxiserfahrungen bei der komponenten-spezifischen Isotopenanalyse zur Quellenidentifizierung und Abbaubewertung von Schadstoffen in Altlasten zurück. Anhand zweier Fallbeispiele legte er dar, dass die Isotopenmethoden durch erhebliche Fortschritte bei den Bestimmungsgrenzen, der Schnelligkeit und Reproduzierbarkeit sowie der Qualität der quantitativen Auswertung immer wichtiger werden. Mit zunehmender Praxiserfahrung wird die komponenten-spezifische 13 C/ 12 C-Bestimmung immer effizienter mit anderen Nachweisverfahren zum natürlichen Schadstoffabbau kombiniert. Bewerten und beurteilen Der Nachmittag startete mit dem Vortrag von Katja Amstätter, CDM Smith Consult, und Jutta Sextro, Regierungspräsidium Darmstadt. Die Referentinnen beschäftigten sich mit einem praxisorientierten Verfahren zur Bewertung von Bodenkontaminationen im Hinblick auf die Umwandlung eines ehemaligen Chemie-Standortes in verkehrsfähige Grundstücke. Unter den 96 untersuchten Einzelparametern wurden zunächst die standortrelevanten Stoffe identifiziert. Das Sondierungsraster wurde durch die Berechnung eines Thiessen-Polygon-Netzes in die Fläche umgelegt. Somit konnten die Analyseergebnisse bodenmeterweise über die 01 Rund 100 Teilnehmer kamen zur Fortbildung in Bad Camberg Fläche eingestuft und ausgewertet werden. Mit den hergeleiteten standortspezifischen Beurteilungswerten erhält die Bodenschutzbehörde ein Werkzeug für ein abgestuftes Vorgehen, da ein quantitatives Kriterium zur Verfügung steht, um tolerierbare Restbelastungen abschätzen zu können. Wie ein Deponieabstrom mithilfe von ökotoxikologischen Testverfahren zu beurteilen ist, untersuchte Karin Teichmann vom Regierungspräsidium Darmstadt. Sie führte aus, dass gerade große Deponien zuweilen die Altlastenbearbeitung hinsichtlich einer Gefahrenbeurteilung oder einer sinnvollen Auswahl einer Sanierungsmethode vor große Probleme stellen. Gegenüber Altstandorten, bei denen Schäden nur durch eine oder wenige Stoffgruppen verursacht wurden, enthalten Deponiekörper meist ein größeres Stoffgemisch, das zudem heterogen verteilt ist. Proben aus dem Grund- und Oberflächenwasser ließen sich mittels ökotoxikolgischer Methoden (Fischeier, Daphnien, Algen, Leuchtbakterien, umu-Test) auf akute und chronische Wirkungen von Schadstoffen untersuchen. So können zusätzliche Informationen gewonnen werden, die in die Gefährdungsbeurteilung einfließen können. Die konventionelle Sanierung stellte Michael Wolf, Regierungspräsidium Darmstadt, auf den Prüfstand. Am Beispiel eines Industriestandortes in Idstein wurde die Effizienz einer seit mehr als 20 Jahren betriebenen Bodenluftabsaugung und Grundwassersanierung analysiert und bewertet. Hierbei zeigte sich, dass die Absaugung der BLA mit Seitenkanalverdichtern im bindigen Boden nur eine geringe Reichweite erzielte und die Ausbreitung der CKW und BTEX in den 1980er-Jahren nach heutigen Maßstäben unzureichend erkundet waren. Durch eine Nacherkundung ergab sich eine Umstellung der Sanierungsstrategie hin zu einer thermischen Herdsanierung (Theris- Verfahren), die Dr. Uwe Hiester, Reconsite GmbH, vorstellte. Interessierte TeilnehmerInnen konnten den Tag mit einer Führung zu dieser thermischen In-situ-Sanierung in Idstein zum Abschluss bringen. 02 Mustafa Dönmez informiert über aktuelle Projekte aus dem Ministerium 03 Die Verhältnismäßigkeitsprüfung von Sanierungen beschäftigte Silvia Paskert Aus der Praxis Wie die Sanierung einer Boden- und Grundwasserverunreinigung unter besonderen Rahmenbedingungen mit Dampf- Luft-Injektion vollzogen wurde, beschrieben Dieter Hülpüsch, Regierungspräsidium Darmstadt, Oliver Trötschler, Vegas, und Dr. Volker Schrenk (CDM Smith Consult GmbH) in ihrem gemeinsamen Vortrag. Auf diesem Standort wurde seit den 1950er-Jahren bis Mitte der 1970er-Jahre in der Altstadt eine chemische Fabrik zur Herstellung von Korrosionsschutzmitteln betrieben. Als Sanierungsverfahren wurde aufgrund der Schadenstiefe und der Bebauung der Schadensfläche die Dampf-Luft-Injektion (DLI) ausgewählt. Dabei wird der Untergrund TerraTech 3/2016 7