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wlb - Wasser, Luft und Boden 3/2016

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SPEKTRUM im Vortrag von

SPEKTRUM im Vortrag von Dipl.-Ing. Sebastian Illing, Bauer Umwelt GmbH, Schrobenhausen. Die heute zu weiten Teilen sanierte Altlast in Schonungen galt lange Zeit als die größte bewohnte Altlast in Bayern. Das Gebiet umfasst ca. 109 ha mit 124 betroffenen Grundstücken. Illing konnte zeigen, dass auch bewohnte innerstädtische Altlasten mit den richtigen technischen Verfahren und Einhaltung der Qualitätsanforderungen erfolgreich saniert werden können. Zu dem erfolgreichen Abschluss trug maßgeblich auch das Kommunikationskonzept des Bauherrn bei. Dieses schlug mit 1,6 % der Gesamtprojektkosten zu Buche. Dennoch lohnte sich aus Sicht der beteiligten Unternehmen die Ausgabe, da ansonsten wohl unter deutlich angespannteren Verhältnissen hätte gearbeitet werden müssen, die andere Kosten nach sich gezogen hätten. Das Georadar in der Praxisanwendung stellte Dipl.-Geogr. Christian Albrecht, Tauber Explosive Management GmbH & Co. KG, Weiterstadt, vor. Georadar wird als geophysikalische Methode zur Detektion des Untergrunds seit Beginn des 20. Jahrhunderts eingesetzt. Allen Messungen liegt da- bei das Prinzip der Geschwindigkeitsmessung ausgesandter elektromagnetischer Wellen zugrunde. Die Dämpfungseigenschaft des Untergrunds bestimmt in erster Linie die Eindringtiefe der Radarwelle und wird vor allem durch den Wasser- und Tongehalt des Bodens beeinflusst. Das Georadar kann seine Stärken vor allem in der Oberflächensondierung ausspielen, um Leitungen, metallische Objekte und Hohlräume zerstörungsfrei zu orten. Der krönende Abschluss des Tages war eine Baustellenbesichtigung des Stadtbahntunnels Karlsruhe. Dipl.-Ing. Harald Burgstaller, Arge Stadtbahntunnel Karlsruhe, stellte das Projekt vor, beleuchtete den Verlauf und gab einen Ausblick auf die weitere Entwicklung. Rund 60 Teilnehmer konnten sich dabei einen eigenen Eindruck von der Großbaustelle verschaffen, bevor der Tag bei einem badischen Buffet zu Ende ging. Altlasten in der Justiz Rechtsanwalt Nikolaus Steiner warf in seinem Vortrag einen kritischen Blick auf die neuen Geringfügigkeitsschwellwerte. Diese GFS-Werte sind weder für Behörden noch für Gutachter bindend und dennoch haben sie in der Vergangenheit eine weitreichende Bedeutung erlangt. Sie werden häufig als Werte verstanden, bei deren Überschreitung ein Grundwasserschaden anzunehmen ist. Bei der Sanierung werden die GFS- Werte darüber hinaus häufig als zu erreichende Sanierungszielwerte verwendet. Die Relevanz könnte sich jedoch ändern, wenn die GFS-Werte in Form von Schwellenwerten normativ in Verordnungen verankert werden. Steiner befürchtet eine deutliche Verteuerung der Analysen bei verschärften Werten, da sich nur mit erhöhtem Aufwand die sehr niedrigen anorganischen GFS-Werte im analytischen Routinebetrieb sicher nachweisen lassen. Um den aktuellen Stand der Dinge bei der Mantelverordnung ging es im Referat von Dr. Bettina Plath, Hafemeister Erd- und Tiefbau, Berlin. Sie berichtete vom zweiten Planspieltag und informierte über die Praxistauglichkeit. Ihr Fazit: Der Dialog zwischen den Beteiligten war und ist sehr konstruktiv, doch das Ziel eines bundeseinheitlichen Regelwerks für die schadlose Ver- 04 Das IHK Haus der Wirtschaft in Karlsruhe beherbergte das Altlastenseminar 4 TerraTech 3/2016

SPEKTRUM wertung von Bauabfällen ist noch nicht erreicht. Plath warnt davor, einen falschen Aktionismus an den Tag zu legen und rät, auch Anregungen aus den Nachbarstaaten Österreich und der Schweiz aufzugreifen. Dr. Jens Nusser, LL.M., Kopp-Assenmacher Rechtsanwälte, Berlin, informierte die Seminarteilnehmer über aktuelle Tendenzen in der Rechtsprechung im Altlastenbereich. Dabei ging es u. a. um die Verantwortung des ehemaligen Eigentümers, der nach § 4 Abs. 6 BBodSchG zur Sanierung verpflichtet ist. So führte Nusser aus, dass nicht ersichtlich sei, warum der Verkäufer Zustandsstörer bleiben müsse, wenn beide Parteien wissen, dass das Kaufobjekt eine Altlast ist und dieser Umstand in den Kaufpreis eingepreist wurde. Er empfiehlt, dass insbesondere bei Grundstückskaufverträgen der Verkäufer auf eine detaillierte, interessengerechte Ausgestaltung der Altlastenklausel achtet. Dauerthema PFC Einen Überblick über Sanierungsverfahren für PFC-Kontaminationen gab Dr. Kathrin R. Schmidt, TZW, Karlsruhe. PFC stellen die Sanierungspraxis und Wasseraufbereitung vor große Herausforderungen. Sorptionsverfahren gelten als Stand der Technik, um insbesondere langkettige PFC aus dem Grundwasser zu entfernen. Nachteilig wirkt sich aus, dass kurzkettige PFC so nur schlecht entfernt werden können und die Beladungskapazitäten des Materials relativ gering sind und somit einen häufigen Austausch erfordern. Neben Aktivkohle werden weitere Sorptionsmaterialien eingesetzt und erprobt. Beispiele aus der Sanierungspraxis von PFC-Schadensfällen stellte Dipl.-Ing. M. Sc. Martin Cornelsen, Cornelsen Umwelt, Essen, in seinem Vortrag vor. Er unterstreicht die Wichtigkeit, Reinigungsverfahren und Hilfsstoffe standortbezogen auszuwählen. Zur Verminderung der Betriebskosten könne das PerfluorAd-Verfahren eingesetzt werden. Der flüssige Wirkstoff fällt dabei aus belasteten Wässern PFC aus. Die Fällungsprodukte können mit einfachen Methoden abgetrennt werden. Restkonzentrationen an PFC lassen sich durch eine nachgeschaltete Aktivkohlefilterstufe abscheiden. Diese Reinigungsstufe kann nun kleiner gewählt werden, da ein Großteil der PFC-Belastung schon ausgefällt wurde. Non-Target-Analytik Eine neue forensische Methode in der Altlastenbearbeitung – die Non-Target-Analytik – beschäftigte Dr. Wolfgang Schulz vom Zweckverband Landeswasserversorgung, Stuttgart. Dieses ergänzende Werkzeug ermöglicht es, eine Vielzahl von Substanzen zu detektieren, die zum Zeitpunkt der Analyse noch nicht bekannt sind. Man erhält somit die Möglichkeit, Veränderungen zeitlich und räumlich zu verfolgen. Durch Anwendung von statistischen Methoden ist es möglich, aus der großen Anzahl von Komponenten die signifikanten Bestandteile zu erkennen. Der große Vorteil liegt in der Betrachtung nicht nur einzelner Proben, sondern mehrerer Proben gemeinsam, die etwa über Hydrogeologie zusammenhängen. Dr. H. Georg Meiners, Ahu AG, Aachen, untersuchte den Themenbereich Fracking und Grundwasser. Hierbei zeigte sich, dass neue Untersuchungen das hohe Gefährdungspotenzial der Frackfluide und die grundsätzlichen Risiken bestätigen, ebenso wie das Vorkommen vieler Störfälle. Mit Blick auf fehlende systematische Untersuchungen und Grundlagendaten bleiben hinsichtlich der Quantifizierung der Risiken jedoch nach wie vor viele Fragen offen. Gestern und heute 05 Rechtsanwalt Jens Nusser gab Tipps für die Abwicklung von Grundstücksverkäufen 06 Über den Umgang mit PFC-Schäden informierte Rudolf-Karl Teichmann Die LABO-Arbeitshilfe „Verhältnisbetrachtung bei der Entscheidung über die Durchführung von MNA“ ist Bestandteil des LABO-Positionspapiers „Berücksichtigung der natürlichen Schadstoffminderung in der Altlastenbearbeitung“. Dipl.-Geol. Axel Lietzow, Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie, Hannover, arbeitete für das Auditorium einige wesentliche Schwerpunkte heraus. So ist die Verhältnismäßigkeitsbetrachtung eine entscheidende Größe für oder gegen die Entscheidung, MNA einzusetzen. Was in den letzten 25 Jahren bei der Sanierung der Halden und des Tagebaus Lichtenberg im Ronneburger Uranbergbaurevier erreicht werden konnte, beschrieben Dipl.-Geol. Ulf Barnekow und Dr. Michael Paul von der Wismut GmbH in Chemnitz. Im nördlichen Teil des Reviers ist die Sanierung der Halden vollständig und die Flächensanierung weitestgehend abgeschlossen. Im Zuge des Rückbaus des Dammes des Auflandebeckens Beerwalde erfolgt derzeit die letzte größere Umlagerung von radioaktiv kontaminiertem Haldenmaterial. Im südlichen Teil sind die meisten Arbeiten ebenfalls abgeschlossen. Mit Ausnahme der Wasserbehandlung besitzen alle übrigen Langzeitaufgaben im Prinzip Ewigkeitscharakter. Langfristiges Ziel der Sanierungsarbeiten ist das Erreichen selbstregulierender, naturnaher Systemzustände zur nachhaltigen Minimierung von Stoffflüssen in der Nachsorgephase. Dr. Ulrich Langer, ICP Karlsruhe, warf im Abschlussvortrag einen Blick auf die Sicherung der Dioxin-Altablagerung „Sodabuckel“ in Lampertheim-Neuschloss. Diese mit Dioxinen und Schwermetallen verunreinigte Altlast wurde durch eine Wasserhaushaltsschicht in Anlehnung an die Deponieverordnung gesichert. Die Schicht hat eine dichtende Funktion und soll auch eine spätere Vegetation gewährleisten. Dazu wurde eine Anspritzbegrünung aufgebracht, die sehr gut funktionierte. Ausstehend ist derzeit noch die Rekultivierung in Form eines Hochwaldes mit Waldaußenrand. Das nächste Karlsruher Altlastenseminar wird am 21. und 22. Juni 2017 stattfinden. Fotos: Katja Friedl icp-ing.de TerraTech 3/2016 5