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wlb - Wasser, Luft und Boden 3/2016

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SPEKTRUM Aus Altlasten

SPEKTRUM Aus Altlasten lernen 16. Karlsruher Altlastenseminar 2016 Katja Friedl Das Konzept des Karlsruher Altlastenseminars ist es, jeweils aktuelle Themen aufzugreifen und einen Überblick über den Stand der Altlastenbearbeitung zu geben sowie neue Entwicklungen und Trends aufzuzeigen. Im Mai trafen sich rund 170 Teilnehmer auf dem 16. Karlsruher Altlastenseminar. Autorin: Dipl.-Chem. Katja Friedl, Redakteurin, Vereinigte Fachverlage GmbH, Mainz Wie wichtig die Altlastenbearbeitung und der Grundwasserschutz nach wie vor sind, stellten Professor Dr.-Ing. Horst Görg von der BU Überwachungsgemeinschaft e.V., Mainz, und Dipl.-Ing. Klaus Albers, Arbeitskreis Grundwasserschutz e.V., Berlin, in ihrer Begrüßung heraus. Sie leiteten den ersten Vortragsblock ein, in dem das Grundwasser im Fokus stand. Dr. Andreas Zeddel, Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume des Landes Schleswig-Holstein, beschäftigte sich in seinem Vortrag mit neuen GFS- (Geringfügigkeitsschwelle)-Werten für das Grundwasser und stellte Anwendungsgrundsätze für den Altlastenbereich vor. Die Geringfügigkeitsschwelle ist die Konzentration eines anthropogen eingetragenen Stoffes bis zu der eine räumlich begrenzte Änderung der chemischen Beschaffenheit des Grundwassers als geringfügig einzustufen ist und ab der eine nachteilige Veränderung der Grundwasserbeschaffenheit vorliegt. Dabei sind die GFS die wesentliche fachliche Grundlage für die Ableitung von Prüfwerten für den Wirkungspfad Boden-Grundwasser, d. h. der Harmonisierungsanspruch, der sich mit der GFS-Ableitung fachlich verbindet, wird grundsätzlich bestätigt. Die hydrochemischen Hintergrundwerte im Grundwasser und ihre Bedeutung für die Wasserwirtschaft stellte Thomas Walter, Obmann Ad-hoc-AG Hydrogeologie, Ministerium für Umwelt und Verbraucherschutz, Saarbrücken, vor. Er verwies auf die staatlichen geologischen Dienste in Deutschlang (SGD), die seit 2010 einen im Internet zugänglichen Web-Map-Dienst und einen Fachdatenviewer für weitgehend unbeeinflusste Hintergrundwerte (HGW) im Grundwasser bereitstellen (produktcenter.bgr.de). Die HGW können z. B. bei Altlasten zur ersten orientierenden Einschätzung dienen, ob erhöhte Konzentrationen im Grundwasser geogen bedingt sein können. Der erste Vortragsblock endete mit dem Referat von Dipl.-Chem. Jens Habersaat, Wessling GmbH, Bochum. Er betrachtete Mikroschadstoffe im Grundwasser und deren Relevanz für die Trinkwassergewin- 2 TerraTech 3/2016

SPEKTRUM nung. Die wichtigste Gruppe der organischen Mikroschadstoffe sind hierbei die Rückstände von Pflanzenschutzmitteln (PSM) sowie deren Metaboliten. Aber auch Arzneimittelrückstände, jodierte Röntgenkontrastmittel, perfluorierte Chemikalien und Industriechemikalien sorgen für Probleme bei der Trinkwassergewinnung. Geeignete Analysemethoden wie Gas- und Flüssigkeitschromatografie können die Schadstoffe identifizieren. Entfernen lassen sie sich z.B. durch Ozonisierung oder Membranfiltration. In-situ-Sanierungen 01 Die Pausen wurden rege für vertiefende Gespräche genutzt Dipl.-Geol. Jens Gross (Dibauco Regionen GmbH, Habichtswald) beschäftigte sich mit dem Prozessverständnis als Grundlage für die Planung von In-situ-Sanierungsmaßnahmen. Dabei kommt es ganz wesentlich darauf an, dass die beteiligten physikalischen, chemischen und biologischen Prozesse und ihr Zusammenspiel verstanden werden. Dieses erhöhte Prozessverständnis führt zu einer angemessenen Verfahrensauswahl, einer Erhöhung der Verfahrenssicherheit sowie einer besseren Beurteilung und Bewertung des Sanierungserfolgs. Mit der In-situ-Sanierung ging es im Anschlussvortrag weiter. Dr. Stefan Hüttmann, Sensatec GmbH, Kiel, berichtete über Erfahrungen mit der In-situ-Sanierung unter verschiedenen geologischen Rahmenbedingungen und betrachtete dabei auch die Wirkstoffverteilung im Untergrund. Anhand eines Projektes in Norddeutschland konnte er zeigen, dass die Zugabe einer verdünnten Zuckerrübenmelasse innerhalb der Schadensquelle den Abbau der vorhandenen LCKWs bis zum chlorfreien Produkt Ethen deutlich beschleunigte. Als besonders wirksam haben sich dabei flexibel einsetzbare, hydraulisch aktive Wirkstoffverteilungssysteme für Biostimulationsvorhaben erwiesen. Die wirkungspfadspezifische Erkundung von PFC-Verunreinigungen an einem Fallbeispiel aus Nordrhein-Westfalen beschäftigte Dipl.-Geol. Tina Neef, Dipl.-Geol. Axel Meßling und Dipl.-Geol. Ulrich Lieser (alle Ahu AG, Aachen). PFC (Per- und polyfluorierte Chemikalien) werden aufgrund ihrer gewünschten Eigenschaften (z. B. schmutzabweisend, benetzend) in den unterschiedlichsten Produkten eingesetzt. So kommen sie in Beschichtungen ebenso vor wie in Feuerlöschschäumen. Seit den 2000er-Jahren besteht der Verdacht, dass PFC Krebs erzeugen. Gerade der Einsatz in Feuerlöschschäumen kann bei Feuerwehreinsätzen zu massiven Bodenbelastungen und Grundwassergefährdungen führen. Grundwasser im Fokus Den Weg des Wassers und seine Wirkungspfade untersuchte Dr. Michael Altenbockum, Altenbockum & Partner, Geologen, Aachen. Dabei stellte er exemplarisch einige Schadensfälle in Düsseldorf, Schmallenberg, Sundern und Bad Kreuznach vor. Er konnte zeigen, dass beispielsweise in Düsseldorf die Grundwasser-Verunreinigungen (CKW, Cyanid, Chrom) in der Innenstadt im Zeitraum 2005 bis 2014 deutlich reduziert werden konnten. Zum Einsatz kam hier ein Konzept aus den Jahren 2004/2005, das Fördereinrichtungen und Aufbereitungsanlagen mit zentraler Steuerung und optimiertem Betrieb vorsah. Dr. Kerstin Brandstätter-Scherr, Universität für Bodenkultur, Wien, und Dr. Manfred Nahold, GUT Gruppe Umwelt+Technik, Linz, beschäftigte ein geobiochemisches Aquiferverständnis als Grundlage für die Umsetzung von ENA-Konzepten in der Grundwassersanierung (ENA: Enhanced Natural Attenuation). Dieses Verständnis ist die Grundlage der Quantifizierung von natürlichen Schadstoffabbauprozessen und der Identifizierung von potenziell effizienten ENA-Strategien. Ziel ist es, durch die weitere Untersuchung von Interaktionen in der Fraktionierung von terminalen Elektronenakzeptoren zukünftig die Qualität und Quantität mikrobiellen Schadstoffabbaus besser einschätzen zu können. Kommunikation und Technik Um die Sanierung der Sattler Altlast im bewohnten Gebiet von Schonungen ging es 02 Thomas Egloffstein führte durch die Veranstaltung 03 Bettina Plath berichtete vom zweiten Planspieltag TerraTech 3/2016 3