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wlb - Wasser, Luft und Boden 3/2015

wlb - Wasser, Luft und Boden 3/2015

FLÄCHENRECYCLING

FLÄCHENRECYCLING Bürohaus, ein Nebengebäude – sowie ein Unterstand auf dem seit 2002 nicht mehr genutzten Gelände. Das Grundstück wurde im Jahre 2004 orientierenden Standortuntersuchungen unterzogen, die flächenhafte und tiefreichende Verunreinigungen mit Mineralölen im Boden und Grundwasser feststellten. Die im Untergrund nachgewiesenen Mineralölbelastungen reichten teilweise bis zu 6 m Tiefe unter Gelände und hatten hier direkten Kontakt mit dem quartären Grundwasser. Aufgrund der relativ geringen Wasserlöslichkeit der langkettigen Mineralölkohlenwasserstoffe in Hydraulikölen verhielten sich die Mineralölbelastungen im Untergrund auf dem Areal allerdings relativ ortsstabil. Dies galt aber nur für den Zustand der Fläche mit einer weitgehenden Versiegelung sowohl in den überbauten Bereichen als auch in den befestigten Freiflächen. Jede künftige Nutzung des brachliegenden Betriebsgeländes würde allerdings zwangsläufig mit einer vollständigen Entsiegelung der Oberflächen verbunden sein. Damit würden die Schadstoffe oberhalb des Grundwasserspiegels in der ungesättigten Bodenzone dem versickernden Niederschlagswasser zugänglich sein und eine vertikale Verlagerung der Mineralölverunreinigungen über den Sickerwasserpfad in das Grundwasser erwarten lassen. Vor diesem Hintergrund waren Sanierungsmaßnahmen notwendig. Sanierungsuntersuchung Zunächst wurde durch das beauftragte Gutachterbüro unter Beteiligung des Kreises Siegen-Wittgenstein eine Sanierungsuntersuchung nach den Vorgaben des Bundesbodenschutzgesetzes durchgeführt und ein Bei der Bodensanierung wurden stark mit Mineralölen verunreinigte Fundamente aus Beton angetroffen Rückbaukonzept erstellt. Danach schloss sich die Sanierungsplanung für die Sanierungsfläche an. Mit der Sanierung sollten die auf dem Gelände zahlreich vorhandenen Schadensherde für Mineralöle entfernt werden, um eine zusätzliche und weitergehende Belastung des Grundwassers und dessen Abstroms vom Gelände in die Netphe zu verhindern. Darüber hinaus sollte mit der Bodensanierung die Herstellung von gesunden Wohnverhältnissen in Bezug auf die Schutzgüter Mensch und Pflanze (Wirkungspfad Boden – Mensch direkter Kontakt sowie Wirkungspfad Boden – Pflanze) verfolgt werden. Bei den Schadensherden erfolgte vorwiegend ein Bodenaustausch bis zur Oberkante der grundwasserführenden Bodenzone, wobei das Grundwasser nach den Ergebnissen der Voruntersuchungen etwa zwischen 4,25 und 4,60 m unter Geländeoberkante angetroffen wurde. Darüber hinaus sollte die auflagernde schadstoffhaltige Auffüllung als Voraussetzung für die Herrichtung der Fläche im Hinblick auf die an diesem Standort geplante Wohnbebauung ausgetauscht werden. Sanierung Als erstes erfolgte der Rückbau der Gebäude mit Entrümpelung, Schadstoffsanierung, Entkernung und Abbruch. Im Anschluss an den oberirdischen Abbruch der Gebäude fanden die Tiefenenttrümmerung und der Ausbau der Fundamente statt. Danach schloss sich die Bodensanierung an, die auch die Entfernung der kontaminierten Bodenplatten und sämtlicher unterirdischer Einbauten umfasste. Im Verlaufe der Baumaßnahme wurde – abweichend von den Ergebnissen der Voruntersuchungen – aufgrund der vorherrschenden trockenen Witterung und der damit verbundenen Grundwasserneubildung die Grundwasseroberfläche erst in einer erheblich größeren Tiefe von ca. 6 m angetroffen. Dadurch wurde für das Schutzgut Grundwasser eine Schadensherdsanierung bis in eine Tiefe von ca. 6 m unter Geländeoberkante erforderlich. Vor allem im Bereich der einstigen Pressengrube im Westen des ehemaligen Betriebsstandortes, wo sich mit Mineralölgehalten von über 10 000 mg/kg der Hauptschadensherd befand, wurde der Boden bis zum bei ca. 6 m unter Geländeoberkante vorkommenden Grundwasserschwankungsbereich saniert. Dabei stand insbesondere die Gefahrenabwehr wegen eines Eintrags von Mineralölen in die unmittelbar angrenzende Netphe im Vordergrund. Diese von den ursprünglichen Planungen abweichende Vorgehensweise verursachte erhebliche Mehrmengen an kontaminierten Böden, die zusätzlich zu entsorgen waren. Außerdem war auch die 01 An der nördlichen Halle befand sich ein unbefestigter Geländebereich

FLÄCHENRECYCLING laterale Ausdehnung der Mineralölverunreinigungen im Grundwasserschwankungsbereich wesentlich größer als ursprünglich angenommen. Denn im Zuge der Bodensanierung wurden speziell im Bereich der ehemaligen Pressengrube unbekannte und bei den Voruntersuchungen nicht zu lokalisierende, zum Teil stark mit Mineralölen verunreinigte Fundamente aus Beton angetroffen, die bis zu 2 m breit waren und bis in eine Tiefe von 6 m reichten. Die dargestellte Bodensanierung dort konnte allerdings nur erfolgen, indem diese Fundamente – auch aus Standsicherheitsgründen – in den erforderlichen Tiefen entfernt wurden. Auch hierdurch kam es zu erheblichen Mehrmengen an Bauschutt. Insgesamt wurden ca. 5400 t Bauschutt und ca. 5600 t hauptsächlich mit Mineralölkohlenwasserstoffen verunreinigter Boden entsorgt. Nach dem Bodenaushub wurden die Baugruben mit sauberem Boden verfüllt. Diese Sanierungsarbeiten waren im Juni 2014 erfolgreich beendet. Durch den Bodenaustausch besteht keine Gefahr mehr der zusätzlichen Beaufschlagung des Grundwassers mit Mineralölen über den Wirkungspfad Boden – Grundwasser. Überprüfungen des Kreises Siegen-Wittgenstein haben ergeben, dass im Grundwasser nach Abschluss der Sanierung keine Mineralölkohlenwasserstoffe mehr nachweisbar sind. Aus bodenschutzund wasserrechtlicher Sicht ist die Sanierung damit endgültig abgeschlossen. 02 Insgesamt wurden ca. 5400 t Bauschutt und ca. 5600 t hauptsächlich mit Mineralölkohlenwasserstoffen verunreinigter Boden entsorgt Neben den AAV-Mitteln standen für die Sanierung des Standortes auch Fördermittel aus Zuwendungen des Landes Nordrhein- Westfalen zur Verfügung. Vor diesem Hintergrund wurde die Sanierung in zwei Abschnitte aufgeteilt. Der Sanierungsabschnitt 1 umfasste im Grunde den Rückbau der Betriebsgebäude, der Produktions- und Nebenanlagen einschließlich der nichtkontaminierten Bodenplatten sowie die Entsorgung aller dabei anfallenden Abfälle. Der AAV hat für die vorgenannten Maßnahmen 80 % der Kosten übernommen; 20 % übernahm die Stadt Netphen. Der Sanierungsabschnitt 2 beinhaltete im Wesentlichen die Entfernung der kontaminierten Bodenplatten und sämtlicher unterirdischer Einbauten im Bereich der Betriebsgebäude sowie Sanierung des belasteten Untergrunds. Die Kosten für diese Maßnahmen wurden durch Zuwendungen der Bezirksregierung Arnsberg zuzüglich des von der Stadt Netphen zu übernehmenden Eigenanteils finanziert. Nicht zuwendungsfähige Kosten des Sanierungsabschnitts 2 haben der AAV in Höhe von 80 % und die Stadt Netphen in Höhe von 20 % übernommen. Die Zukunft des Geländes Die Stadt Netphen sah für das Gelände von Anfang an eine Umnutzung zu Wohnzwecken vor, da sich diese Nutzung nach Lage und Umgebung aufdrängte. Der zu diesem Zweck erstellte Planentwurf ist bereits jetzt relativ kurz nach der Sanierung voll in der Umsetzung durch einen Bauträger. Zur Erschließung der Fläche wurden zwei ca. 5 m breite Stichstraßen angelegt, die auch die notwendigen Infrastruktureinrichtungen für Wasser- und Gasversorgung, Abwasserentsorgung usw. aufgenommen haben. An diesen Stichstraßen liegen jeweils sechs Baugrundstücke. Die Vermarktung der Fläche ist weitgehend abgeschlossen. Elf von zwölf Grundstücken sind verkauft. Zwischenzeitlich wurden sechs Baugenehmigungen für die verkauften Grundstücke erteilt. Einige Rohbauten werden derzeit schon erstellt. Mit diesem Gelände wurde dringend benötigtes Bauland im Innenbereich gewonnen und damit in diesem Umfang die Inanspruchnahme von Außenbereichsfläche vermieden. www.aav-nrw.de Projektfinanzierung 03 Mit diesem Gelände wurde dringend benötigtes Bauland gewonnen TerraTech 3/2015 13