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wlb - Wasser, Luft und Boden 3/2015

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SPEKTRUM 06 Die Pausen

SPEKTRUM 06 Die Pausen wurden zum intensiven Erfahrungsaustausch genutzt auf Landkreise in Baden-Württemberg anzuwenden sind. Auch Dr. Hans-Georg Edel (Züblin Umwelttechnik GmbH) beschäftigte sich in seinem Vortrag mit PFC-Grundwassersanierungen. Er berichtete über Technologie und Kosten aus mehr als fünf Jahren Praxiserfahrung. Die Aktivkohleadsorption stellt derzeit die effizienteste Methode zur Entfernung von PFC aus Grundwasser da. Untersuchungen haben dabei gezeigt, dass es große Unterschiede bezüglich der PFC-Beladung verschiedener Aktivkohletypen gibt. Die Standzeiten der Aktivkohlefilter betrugen in den bislang durchgeführten Projekten meist mindestens zwölf Monate. Die spezifischen Behandlungskosten liegen dabei – je nach Schadstofffracht – bei ca. 0,2– 0,8 EUR/m 3 . Was beim Brachflächenrecycling und beim Bauen im Bestand zu beachten ist, führte Dipl.-Ing. Katrin Schumacher (ICP Karlsruhe) in ihrem Vortrag aus. Um neue Altlasten zu vermeiden, forderte die Referentin eine öffentlich zugängliche Produktdatenbank für Baustoffe mit den entsprechenden Hinweisen zu den Inhaltsstoffen, um einen fachgerechten Rückbau nach der Beendigung der Nutzung sicherzustellen. Als Beispiel nannte sie Dämmmaterial aus EPS (Expandiertes Polystyrol), das zum einen mit dem Armierungsgewebe verklebt und zum anderen mit Algiziden, Fungiziden und Flammschutzmitteln behandelt wurde. Im Verbund entsorgt, würden hier erhebliche Entsorgungskosten in einer Verbrennungsanlage anfallen, eine Deponierung ohne vorherige Verbrennung ist in Deutschland nicht zulässig. Öffentliches Engagement Dipl.-Ing. Hermann J. Kirchholtes (Amt für Umweltschutz, Stuttgart) beschäftigte sich in seinem Referat mit Altlasten und Sanierungskonzeption für ein Sanierungsgebiet in Stuttgart-Feuerbach. Um die Stadtentwicklung zu fördern, Wohnraum und Arbeitsplätze zu schaffen, wurde ein belasteter Standort übernommen und saniert. Dabei haben die öffentlichen Investitionen das Umfeld des Standortes aufgewertet und zusätzliche Investitionen und Entwicklungen ausgelöst. Um die Sanierung einer BTEX-Grundwasserkontamination mittels Sauerstoffdirektgasinjektion am Beispiel des ehemaligen Nato-Flugplatzes Lahr ging es im Vortrag von Dr. Andreas Klinke von der Sensatec GmbH. Im Bereich einer früheren Militärtankstelle führt der langjährige, unkontrollierte Eintrag von Kraftstoffen in den Untergrund zu einer massiven Boden- und Grundwasserkontamination durch aromatische Kohlenwasserstoffe (BTEX). Nach dem erfolgreichen Abschluss eines sechsmonatigen Pilotversuchs wird auf dem Gelände seit Anfang Juni 2012 eine In-situ- Grundwassersanierung durchgeführt. Im Zuge der Sanierung konnten die BTEX-Gehalte im Sanierungsfeld um mehr als 99 % gesenkt werden. Eine Möglichkeit zur Beendigung von langlaufenden Grundwasser-Sanierungsmaßnahmen ist das Sanierungsaudit. Dipl.- Hydr. Albrecht Bakenhus betonte, wie wichtig es bei aufwändigen Sanierungen ist, regelmäßig eine Neubewertung der Maßnahme durchzuführen. Systematisch werden hierbei sämtliche Rahmenbedingungen wie konzeptionelles Standortmodell, Gefährdungsabschätzung und Sanierungsziele überprüft. Sollte sich aus der Beurteilung der Sanierung zeigen, dass einzelne Bereiche wenig effektiv oder effizient sind, können Vorschläge zur Optimierung des Verfahrens erarbeitet werden. Das nächste Karlsruher Altlastenseminar wird am 03./04. Mai 2016 stattfinden. Fotos: Katja Friedl www.icp-ing.de 10 TerraTech 3/2015

FLÄCHENRECYCLING Herrenlos in Netphen Sanierung der ehemaligen Metallverarbeitung Susan Beatrix Haglauer-Ruppel, Erwin Rahrbach Auf dem Areal der ehemaligen Metallwarenverarbeitung Alfred Susan GmbH & Co. KG wurden von 1959 bis 2002 Metallformteile hergestellt. Daraus resultiert eine hauptsächlich durch Mineralölkohlenwasserstoffe, polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe und leichtflüchtige Aromaten hervorgerufene Verunreinigung von Boden und Grundwasser. Autoren: Dr. Beatrix Haglauer-Ruppel, Projektleiterin, AAV – Verband für Flächenrecycling und Altlastensanierung, Hattingen; Erwin Rahrbach, Fachbereichsleiter Bauwesen, Stadt Netphen D er Standort der ehemaligen Metallwarenverarbeitung Alfred Susan GmbH & Co. KG mit einer Gesamtgröße von rund 7600 m² liegt in der Stadt Netphen unmittelbar an der Netphe, die westlich an das Grundstück grenzt. Nördlich des ehemaligen Betriebsgrundstücks befindet sich gewerbliche Nutzung; im Westen (jenseits der Netphe) und Süden grenzen Wohngebäude an und im Osten befinden sich freigelassene Grundstücke, die von Wohngebäuden umgeben sind. Im Sommer 2013 erwarb die Stadt Netphen das herrenlose Grundstück von einem eigens zu diesem Zweck eingesetzten Nachtragsliquidator des Unternehmens, um nach der Sanierung dort eine Wohnbebauung zu planen. Inzwischen ist das Eigentum auf einen Erschließungsträger übergegangen. Im Süden des Grundstücks befand sich ein befestigter Parkplatz, auf dem ein kleiner Schuppen stand. An der südlichen Betriebshalle grenzten ein großer sowie ein kleiner oberirdischer Tank an. An der nördlichen Halle befand sich ein unbefestigter Geländebereich, auf dem ein später abge- branntes Gebäude stand. Das Gelände östlich der Hallen war durchgehend asphaltiert und schloss direkt an eine Anliegerstraße an. Östlich dieser Straße befand sich ein Wall, der von der Stadt Netphen aus Lärmschutzgründen errichtet wurde. Historie Am ehemaligen Produktionsstandort der Firma Susan wurden im Zeitraum von 1959 bis 2002 Tank- und Behälterböden im Tiefziehverfahren hergestellt. Dies umfasst verschiedene Fertigungsvorgänge, insbesondere die Kaltverformung durch verschiedene Hydraulikpressen und Sickenmaschinen sowie die Metallbehandlung durch Glühen und Entfetten. Die Firma Susan stellte ihre Betriebstätigkeit wegen Insolvenz im Jahre 2002 ein. Die Maschinen und Anlagen wurden im Rahmen des Insolvenzverfahrens demontiert und veräußert, das Betriebsgelände aufgegeben. Ein kleineres Gebäude im Norden des Grundstücks, das als Werkstatt genutzt wurde, ist im Jahr 2007 abgebrannt. Somit befanden sich sieben Gebäude – fünf Hallen, ein Wohn- und TerraTech 3/2015 11