Aufrufe
vor 9 Monaten

wlb - Wasser, Luft und Boden 3/2015

wlb - Wasser, Luft und Boden 3/2015

SPEKTRUM Aus Altlasten

SPEKTRUM Aus Altlasten lernen Karlsruher Altlastenseminar 2015 Katja Friedl Das Karlsruher Altlastenseminar, eine feste Größe im Weiterbildungsbereich der Branche, beschäftigte sich in diesem Jahr wieder mit einem breiten Spektrum an Themen: von der Altlastensanierung bis hin zum vorsorgenden Boden- und Grundwasserschutz präsentierten die Referenten Erfahrungen, Richtlinien und Pläne. Autorin: Dipl.-Chem. Katja Friedl, Redakteurin, Vereinigte Fachverlage GmbH, Mainz Den Eröffnungsvortrag des diesjährigen Karlsruher Altlastenseminars hielt Dipl.-Ing. Detlef Grimski (Umweltbundesamt) vor rund 150 Teilnehmern. Der Referent stellte neue Wege im Flächenverbrauch und Flächenzertifikatehandel vor, da der Flächenverbrauch zu den bislang ungelösten Umweltproblemen in Deutschland zählt. Pro Tag werden in Deutschland mehr als 70 ha Fläche für Arbeiten, Wohnen und Transport „verbraucht“. Die Bundesregierung hat sich zum Ziel gesetzt, den Flächenverbrauch bis zum Jahr 2020 auf 30 ha/d zu reduzieren. Als mögliche Lösung des Problems stellte Grimski den Handel mit Flächenzertifikaten vor, der (zumindest in der Theorie) garantiert, dass die festgelegten Ziele auch erreicht werden. Ein Praxistest mit vielen Gemeinden soll zeigen, ob der Zertifikatehandel die gewünschte Wirkung entfaltet. Um die Vermeidung bzw. Verminderung der Umweltverschmutzung durch Industrieanlagen durch Umsetzung der Industrie-Emissionsrichtlinie (IED) ging es im Vortrag von Dr. Ralph Esser (Struktur- und Genehmigungsdirektion Süd). Die IED vereint sieben Vorläufer-Richtlinien mit Bezug zu Industrieemissionen und beinhaltet stringentere Umsetzungsmechanismen. Die Richtlinie sieht außerdem als neue Pflicht im Hinblick auf die Stilllegung von Anlagen die Rückführung auf den Ausgangszustand von Boden und Grundwasser auf Grundlage eines im Rahmen des Genehmigungsverfahrens zu erstellenden Ausgangszustandsberichts (AZB) vor. Wie dieser Ausgangszustandsbericht (AZB) an großen Industriestandorten pragmatisch umgesetzt werden kann, erklärte Dr. Uwe Gauglitz von der BASF SE. Im Wesentlichen zielt der AZB darauf ab, im Bereich eines Anlagengrundstücks zu einem definierten Zeitpunkt die Boden- und Grundwassersituation bzgl. der relevanten gefährlichen Stoffe quantitativ zu beschreiben. Eine besondere Herausforderung ergibt sich bei gewerblich und industriell vorgenutzten Flächen („brown fields“). Dr. Lutz Haamann (Evonik Real Estate) ergänzte, dass jeder Fall individuell betrachtet werden muss und dass mit der

SPEKTRUM Genehmigungsbehörde die Erfordernis und der Umfang des AZB im Rahmen des Genehmigungsverfahrens abzuklären sind. Qualität und Zertifizierung und Schwermetallen gefunden. Die Sanierung hat in diesem speziellen Fall vor allem präventiven Charakter und ist technisch anspruchsvoll, fachlich jedoch beherrschbar. Eine besondere Dynamik ergab sich durch die Öffentlichkeitsbeteiligung bzw. eine Petition. Schutz von Mensch und Umwelt Wie mineralische Abfälle unter Wahrung der Anforderungen des vorsorgenden Umweltschutzes verwertet werden können, stellte Dr.-Ing. Heinz-Ulrich Bertram (Niedersächsisches Ministerium für Umwelt, Energie und Klimaschutz) vor. Er forderte, 01 Thomas Egloffstein führte durch den zweiten Veranstaltungstag Von der Altlastensanierung hin zum vorsorgenden Boden- und Grundwasserschutz Wie sich Flächen nach Wasserhaushaltsgesetz (WHG) für wassergefährdende Stoffe abdichten lassen, stand im Zentrum des Vortrags von Dr.-Ing. Joachim Köhrich, Vorsitzender des Vorstands der Arbeitsgemeinschaft Abdichtungssysteme (AGAS) e. V. Die Arbeitsgemeinschaft wurde vor mehr als zehn Jahren gegründet, um die Qualität bei der Abdichtung mit Kunststoffbahnen zu sichern. Die AGAS zertifiziert Mitgliedsunternehmen, wenn sie einen Fachmann für Kunststoffschweißen beschäftigen und Geräte und Personal einmal jährlich auf Existenz, Ausbildung und Kalibrierung überwachen lassen. Reto Tietz vom schweizerischen Bundesamt für Umwelt stellte die Altlastensituation in der Schweiz vor. Einerseits gibt es in der Schweiz z. B. kaum Schwerindustrie und eine lange Tradition der Müllverbrennung. Andererseits ist das Land geprägt von hoher Siedlungsdichte und landwirtschaftlich intensiv genutzten Böden. Auch gibt es viele kleinere belastete Standorte, die meist auf genutzten Grundwasservorkommen liegen. Aktuell ist geplant, dass alle potenziell gefährlichen Standorte bis 2025 untersucht und bis 2040 saniert sind. Dank der vergleichsweise kleinen Altlasten und des großen Baudrucks werden die Altlasten in der Schweiz mehrheitlich durch Dekontaminations- und viel weniger durch Sicherungsmaßnahmen saniert. Ein praktisches Sanierungsbeispiel präsentierte Dipl.-Biol. Markus Roth vom Landratsamt Calw. Er stellte die Verbindlichkeitserklärung und Sanierungsvereinbarung am Beispiel der Sanierung der Altablagerungen Tälesbach vor. Am Südhang des Tälesbachs bestand Ende der 1960er- Jahre eine Mülldeponie, die bis 1980 als Erddeponie weitergeführt wurde. Bei einer Analyse Anfang der 1990er-Jahre wurden erhöhte Gehalte an Kohlenwasserstoffen dass die Maßstäbe für die Verwertung von mineralischen Abfällen insbesondere im Hinblick auf die Schadstoffentfrachtung weiterentwickelt werden müssen. Nicht die Kreislaufwirtschaft sei das Ziel, sondern der Schutz der Umwelt und des Menschen. Die Kreislaufwirtschaft sei lediglich ein Instrument, um dieses Ziel zu erreichen. Dr. Bernd Susset (Zentrum für Angewandte Geowissenschaften der Universität Tübingen) erläuterte in seinem Vortrag das Fachkonzept der geplanten Ersatzbaustoffverordnung (EBV). Der Besorgnisgrundsatz soll in jedem einzelnen in der geplanten EBV geregelten Bauwerk erfüllt werden. Deshalb muss in der Verordnung anhand einer Materialwertetabelle mit materialspezifischen Grenzwerten und anhand einer Einbautabelle mit bauwerks- und untergrundspezifischen Einbaugrenzwerten für jede Konstellation die Zulässigkeit entschieden werden. Der Einbau in das Grundwasser und mit einem Grundwasserabstand von weniger als 10 cm ist in Deutschland verboten. Hierdurch ergibt sich eine komplexe Regelung. Rechtsicherheit ist gefordert Auf die Position der Bauindustrie zur geplanten Mantelverordnung ging Dr.-Ing. Antje Eichler vom Hauptverband der Deutschen Bauindustrie e. V. ein. Sie bemängelte, dass zwar pro Jahr ca. 200 Mio. t mineralische Bauabfälle anfallen, für diesen größten Abfallstrom in Deutschland 02 Über die pragmatische Umsetzung des AZB an großen Industriestandorten referierte Uwe Gauglitz von der BASF 03 Bernd Susset erläuterte das Fachkonzept zur geplanten Ersatzbaustoffverordnung TerraTech 3/2015 7