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wlb - Wasser, Luft und Boden 2/2017

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ABFALLTECHNIK/RECYCLING

ABFALLTECHNIK/RECYCLING Leckagen orten Nachrüsten einer Deponie mit Dichtungskontrollsystem Autor: Uwe Brodtmann, Geschäftsführer Progeo Monitoring GmbH, Großbeeren Die Arbeiten zur endgültigen Stilllegung der Deponie im niedersächsischen Varel-Hohenberge begannen 2013 und beinhalteten eine aufwändige Sicherung und Rekultivierung. Dabei wurde als zusätzliche Maßnahme ein Dichtungskontrollsystem eingebaut. Mit einer dauerhaften und zuverlässigen Messtechnologie unterstützt das flächendeckende Monitoring-System von Progeo den Instandhaltungsprozess der Deponie – über Jahrzehnte hinweg. Dies minimiert die Emissionsrisiken im Nachsorgezeitraum Andreas Rödel, Progeo Östlich der Stadt Varel befindet sich das Gelände der ehemaligen Deponie Varel- Hohenberge. Bis Ende 2004 wurden hier Abfälle aus dem südlichen Teil des Landkreises gelagert. Die Deponie umfasst heute zwei Deponiekörper. Es handelt sich hierbei um eine Altanlage von 1974 mit einer Erweiterung von 1980 sowie eine Neuanlage von 1992. Sie diente der Entsorgung von Hausmüll sowie hausmüllähnlichen Gewerbeabfällen, Spuckstoffen aus der Karton- fabrik, Sperrmüll und sonstigen zugelassenen Abfällen. Nach der vollständigen Verfüllung der Deponie folgte die Setzung des Mülls. Dieser Vorgang dauerte bis ins Jahr 2012. Danach wurde die Deponie fachgerecht abgedichtet und rekultiviert. Diese Arbeiten sind umfassend und notwendig, um schädliche Umwelteinwirkungen durch Deponiegase oder verschmutztes Niederschlagswasser zu verhindern. Über einen Zeitraum von rund 30 Jahren muss die Deponie zudem regelmäßig kontrolliert und überwacht werden. Um das Risiko von Emissionen weiter zu entschärfen und die langfristige Überwachung zu erleichtern, beschloss der Landkreis Friesland bei der Altanlage den nachträglichen Einbau eines flächendeckenden Dichtungskontrollsystems von Progeo. Das Unternehmen aus Großbeeren bei Berlin bietet intelligente Lösungen zur Dichtigkeitsprüfung und Leckageortung. Das Kontrollsystem Geologger wird seit langer Zeit erfolgreich bei Mülldeponien eingesetzt. Die Technologie eignet sich für diesen Einsatzbereich besonders, da sie eine zuverlässige und permanente Überwachung der Oberflächenabdichtung und die Ortung von Leckagen ermöglicht. Bei der Nachsorge der Deponie Varel-Hohenberge kommt das System Geologger MPLE Carbon FS zum Einsatz. Auftragnehmer und bauausführendes Unternehmen ist die Matthäi Bauunternehmen GmbH & Co. KG mit Hauptsitz im niedersächsischen Verden. Zunächst wurde im Juni 2014 die 51 500 m 2 umfassende Nordböschung des älteren, nördlich gelegenen Deponiekörpers mit dem Monitoring- System ausgestattet. Nun folgte in einem weiteren Schritt die 2014 aus planerischer Sicht vorerst vom Auftrag herausgenommene Südböschung. Der Einbau des Dichtungskontrollsystems umfasst die Hauptfläche mit 26 900 m 2 und die Deponieauffahrt mit 2600 m 2 . Im Zuge der Sicherungs- und Rekultivierungsmaßnahmen wurde die Oberfläche der Deponie angeglichen und mit einer Abdichtung versehen. Diese setzt sich aus Tragschicht, Kunststoffdichtungsbahn, geotextiler Dränmatte, Sandschutz- und Vegetationsschicht zusammen. Ohne selbst verändert zu werden, wurde die bestehende Abdichtung der Deponie durch Geologger MPLE Carbon FS zu einer kontrollierbaren Oberflächenabdichtung nachgerüstet. Das eingebaute System gewährleistet eine Langzeit-Überwachung der Kunststoffabdichtung. Im Regelfall werden dazu eine Vielzahl rasterförmig verlegter Messstellen unterhalb der Kunststoffdichtung und eine geringere Anzahl von Signalelektroden oberhalb der Abdichtung eingesetzt. Die Messstellen bestehen aus MPLE-Kabel (Multi-Punkt-Linear- Elektroden), die in einem Abstand von fünf oder acht Metern einen sogenannten Messabgriff aufweisen – eine Stelle, über die der dauerhafte Erdkontakt hergestellt wird. Die Außenseite der Messabgriffe besteht aus Carbonfasergeflecht. Dabei handelt es sich um ein Material, das besonders gut leitfähig 36 wlb 2/2017

ist. Neben diesen Komponenten wird ein Bezugserder benötigt, der außerhalb der Abdichtungsfläche angeordnet ist. Da bei der Deponie Varel-Hohenberge die Dichtung bereits vor Jahren eingebaut wurde, war es nur möglich, die Komponenten des Dichtungskontrollsystems oberhalb der bestehenden Kunststoffdichtung einzubauen. „Das physikalische Prinzip funktioniert in beiden Fällen. Die Kunststoffabdichtung ist ein elektrischer Nichtleiter. Fließt ein Prüfstrom von den Signalelektroden durch die Dichtung gegen die Erde, kommt es in Folge einer Leckage zu einer geänderten Spannungsverteilung in den Schichten. Anhand der Veränderungen ermittelt das System, ob Schadstellen in der Abdichtung vorliegen und ortet diese. Leckagen, über die Niederschlagswasser in den Deponiekörper gelangt, können auf diese Weise schnell erkannt und gezielt repariert werden. Fachgerechte Verlegung und Installation Alle Komponenten des Systems Geologger werden vorkonfektioniert auf die Baustelle geliefert. Bis zu 40 Messabgriffe sowie sieben Signalelektroden sind auf einem Kabel installiert. Dieses wird dann auf vorher eingemessenen Kabeltrassen abgerollt. Beim kompletten Neubau einer Abdichtung erfolgt die Verlegung auf der jeweiligen Schichtebene. Bei einer nachträglichen Installation wie auf der Deponie Varel- Hohenberge müssen zunächst – mithilfe eines Kleinbaggers – schmale Gräben ausgehoben werden. Darin werden anschließend die Mess- und Signalkabel verlegt. Die Verlegetiefe beträgt etwa 20 cm über der Kunststoffdichtungsbahn. Im Bodenaufbau befindet sich dort der Übergang zwischen Sandschutz- und Vegetationsschicht. Beim Ausschachten ist dieser Übergang einfach zu treffen und verhinderte die Vermischung beider Schichten. Auch gewährleistete der Abstand Schutz vor einer Beschädigung der Abdichtung im Zuge der Bodenarbeiten. Nach der Verlegung werden sämtliche Kabel aus der Abdichtungsfläche bis zu Schaltschränken – auch Feldverteiler genannt – geführt und dort auf ein Stecker system aufgeklemmt. In Varel-Hohenberge entschied man sich für eine stichtagsbe zogene Messung. Hierbei wird ein mobiles Messsystem an die Steckkontakte im Feldverteiler angeschlossen und eine automa tische Messung durchgeführt. www.progeo.com 01 Die Verlegung der Komponenten des Geologger MPLE Carbon FS erfolgt oberhalb der bestehenden Kunststoffdichtungsbahn Lovibond ® Water Testing ABFALLTECHNIK/RECYCLING Tintometer ® Group NEU! On-line Trübungsmessung PTV 1000/2000 Der Neue Standard für die Prozess- Trübungsmessung ■ Geringer Wartungsaufwand ■ Innovatives Design ■ Intelligente Bedienung ■ Unübertroffene Leistung bei niedrigen Trübungswerten ■ Intuitive Benutzeroberfläche ■ Touchscreen Display 02 Im Auftrag des Landkreises Friesland wird auch die Südböschung der Deponie Varel- Hohenberge mit dem System Geologger MPLE Carbon FS nachgerüstet www.lovibond.com QUALITY Made in wlb 1/2017 GERMANY 37