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wlb - Wasser, Luft und Boden 2/2017

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ABFALLTECHNIK/RECYCLING

ABFALLTECHNIK/RECYCLING Nur nicht ins Rutschen kommen Deponiesanierung durch geschicktes Handling schnell refinanziert Im 19. Jahrhundert wurde im Tälesbachtal im Nordschwarzwald der damals europaweit höchste Bahndamm für die Schwarzwald-Bahn, einer Staumauer gleich, quer durch das Tal errichtet. In der heutigen Zeit sind wieder Erdmassen an selber Stelle für die Stützung der an den Talböschungen deponierten Ablagerungen notwendig und machen ein aufwändiges Sanierungsprojekt nahezu kostenneutral. Sie sind längst stillgelegt, die zwei Mülldeponien, die in den Talhälften rechts und links des alten Bahndamms bis in die 1970er-Jahre einem Unternehmen und einer Kommune zur Entsorgung von Abfällen, Hausmüll und Bauschutt dienten. Was heute angesichts strenger gesetzlicher Bestimmungen kaum mehr vorstellbar ist, war zu jener Zeit gängige Praxis bei der Abfallbeseitigung. Dieser damals übliche Umgang bei der Entsorgung hinterlässt ein heikles Erbe, denn die Deponieeigentümer müssen nun, viele Jahre später, gewährleisten, dass von den Altablagerungen keine Boden- und Gewässergefährdungen ausgehen. Das zieht nach einer entsprechenden Gefährdungsabschätzung oft eine Reihe notwendiger Sanierungsmaßnahmen nach sich. Im Tälesbachtal entwickelte sich in den 1990er-Jahren eine solche Gefährdungssituation: Die Böschungen der deponierten Abfälle fingen an, sich zu bewegen und drohten, abzurutschen, sodass dringend gehandelt werden musste. Von Beginn an strebten die verschiedenen Eigentümer nach einer gemeinsamen Lösung für die Sicherung der Altablagerungen. Unterstützung holten sie sich dabei von fachkundiger Seite. Arcadis übernahm wichtige Aufgaben des Sanierungsprojektes, an dessen Anfang die Gefährdungsabschätzung stand. Konkret ging es zuerst um die Frage, ob durch etwaiges Sickerwasser aus den Deponien die Wasserqualität des Tälesbachs gefährdet sei. Nach entsprechenden Untersuchungen konnten die Ingenieure von Arcadis schnell Entwarnung geben: Die Wasserqualität wies auf keine diesbezüglichen Gefährdungen hin. Gefahrenpotenzial sahen sie jedoch in der mangelnden Standfestigkeit der steilen Böschungen, die bei anhaltenden Niederschlägen drohten, in den Tälesbach zu rutschen. Sanierungskosten im Griff Zur Vermeidung der Rutschungen entwickelte das Arcadis-Team ein Konzept zur Stabilisierung der Deponien durch Erdstützkörper. Angesichts der Tatsache, dass die Deponien an die Talböschungen eines Bahndamms grenzen, der aufgrund seiner Höhe von 64 m der Staumauer einer Talsperre gleicht, wird schnell die Dimension der notwenigen Erdmassen klar. Etwa 500 000 m³ Erde werden gebraucht, um in den nächsten Jahren durch Aufschüttungen die Talsohle zu erhöhen sowie die Deponieböschungen abzuflachen. In diesen Bodenmassen sahen die Arcadis-Ingenieure die entscheidende Möglichkeit der Kostenoptimierung. Sie prüften, ob der Erdaushub anderer Baumaßnahmen definierte technische Sicherheitsmaßnahmen erfüllen würde und sich durch die Annahme des Erd aushubs entsprechende Erlöse erzielen ließen. Nachdem die zuständige Genehmigungsbehörde der Nutzung solcher Bodenmassen zugestimmt hatte, bestätigte Arcadis mit einer Marktstudie, dass ausreichend Bodenaushub anderer Baustellen zur Verfügung steht. Eine klassische Win-Win-Situation, denn somit war es einerseits möglich, dass die Eigentümer die Sanierung zum größten Teil durch die Erlöse refinanzieren. Andererseits werden überschüssige, auf vielen Baustellen anfallende Erdmassen einer umweltschonenden Verwertung zugeführt. Hochwasserschutz integriert Neben dem Bau der Erdstützkörper ist die Umleitung des Tälesbachs Teil des Sanierungskonzeptes. Dafür wurde ein Entlastungsbauwerk geplant, bestehend aus Überlaufbauwerk, Umfluter, Kaskade und Tosbecken. Der Umfluter sorgt dafür, dass das alte Bachbett während der Sicherungsmaßnahmen der Deponien trocken gelegt werden kann und wird nach Abschluss der Autor: Dr. Michael Reinhard, Leiter Altlasten und Flächenrecycling (Business Development Europe Central), Arcadis Deutschland, Karlsruhe 30 wlb 2/2017

ABFALLTECHNIK/RECYCLING 01 Abzweig vom Umfluter in die Kaskade Rekultivierung den Abfluss bei Hochwasser gewährleisten. Noch während am Umfluter gebaut wurde, zeigte sich, dass dies notwendig ist. Denn nach mehreren Starkregen führte der sonst mit 160 l/s dahin plätschernde Tälesbach fast die zwanzigfache Wassermenge. Ein Notablauf fungierte als Umfluter und verhinderte größere Schäden. Mit der Kaskade erhält das Tal ein spektakuläres Bauwerk: Das Wasser des Tälesbachs wird hier auf 100 m mit einem Gefälle von 2,5 m Länge auf ein Meter Tiefe die Kaskade hinab ins Tal stürzen. 02 Böschungskaskade für den sicheren Schutz vor Hochwasser Rutschgefahr überwacht Für die Arbeitssicherheit wurde vor Beginn der Bauarbeiten im sensiblen rutschgefährdeten Deponiebereich ein vollautomatisches Überwachungs- und Frühwarnsystem in stalliert. Bei Überschreitung von Warn werten wird das Sicherheitspersonal vor Ort automatisch per SMS informiert. So kann im Notfall schnell evakuiert werden. Durch zusätzliche Inklinometermessstellen, die die Böschungsneigung der Deponien erfassen, können mögliche Instabilitäten erkannt und gegebenenfalls erforderliche Sicherungsmaßnahmen eingeleitet werden. www.arcadis.de 03 Bau des Abzweigbauwerks vom ursprünglichen Bach zum Umfluter Alles aus einer Hand: n Dekanter n Verladesysteme n Fördertechnik n Eintrags- und Zerkleinerungstechniken für Biogasanlagen n BHKW Wartung Top Qualität und Top Service by HUNING Nutzen Sie unseren Zentrifugen- Service! UNTERNEHMEN DER HUNING GRUPPE HUNING Unternehmensgruppe Wellingholzhausener Str. 6, D-49324 Melle Tel.: +49 (0) 54 22/6 08-2 60, Fax: +49 (0) 54 22/6 08-2 63 info@huning-anlagenbau.de, www.huning-anlagenbau.de Unternehmensgruppe wlb 2/2017 31