Aufrufe
vor 1 Jahr

wlb - Wasser, Luft und Boden 2/2016

wlb - Wasser, Luft und Boden 2/2016

60 JAHRE WLB I SERIE Als

60 JAHRE WLB I SERIE Als die Emscher sauber wurde Entwicklung der Klärwerkstechnik anhand der Kläranlage in Bottrop 6J AHRE Katrin Schnelle Wie Objekte von einem fremden Planeten leuchten die blau angestrahlten Faultürme des Klärwerks Bottrop nachts weithin in die Region. Sie sind das Wahrzeichen der Großanlage. Der Betreiber, die Emschergenossenschaft ist einer der ältesten deutschen Wasserverbände. Die Abwasserreinigung zählt seit seiner Gründung 1899 zum Kerngeschäft. In mehr als hundert Jahren hat die Emschergenossenschaft Reinigungsverfahren und -grad kontinuierlich entwickelt. So auch in der Kläranlage Bottrop. Autor: Katrin Schnelle, Geschäftsbereich Unternehmenskommunikation, Redaktion und Social Media, Emschergenossenschaft/ Lippeverband, Essen Die Emscher entspringt südöstlich von Dortmund in Holzwickede und mündet rund 85 km weiter westlich bei Dinslaken in den Rhein. Vor mehr als hundert Jahren wand sich der Wasserlauf mit geringer Fließgeschwindigkeit kurvenreich durch landwirtschaftlich geprägte Auen. Als Mitte des 19. Jahrhunderts der Steinkohle-Bergbau in der Region Einzug hielt, folgten große Bevölkerungsströme. Schnell wuchs ein industrieller Ballungsraum, sämtliche gewerblichen und häuslichen Abwässer wurden in die Emscher geleitet. Diesen steigenden Anforderungen hielt das Flüsschen nicht stand: Es trat regelmäßig über seine Ufer. Die schweren Überschwemmungen und das stehende Hochwasser führten aufgrund der starken Verschmutzung dazu, dass ganze Stadtteile immer wieder überflutet wurden und Seuchen sich ausbreiteten. Gezielte Wasserwirtschaft Um die verheerenden hygienischen Zustände wieder in den Griff zu bekommen, gründeten Vertreter der anliegenden Städte und Kreise, des Bergbaus und der Industrie die Emschergenossenschaft. Der Verband baute ab 1906 die Emscher und ihre Zuflüsse zu einem System offener Abwasserläufe in einem Bett aus Betonschalen um und ermöglichte so einen ungehinderten Abfluss. Mit dieser Entwicklung ging auch die Errichtung der ersten Kläranlagen im Einzugsgebiet einher. Heute sorgen dort insgesamt vier zentrale Anlagen für zeitgemäße Abwasseraufbereitung – Standorte sind Bottrop, Dortmund-Deusen, Duisburg und Dinslaken. „Auch unser Betrieb kann auf eine lange Geschichte zurückblicken. Die erste Kläranlage am Standort Welheimer Mark in Bottrop wurde bereits 1929 errichtet“, sagt Dr. Ing. Torsten Frehmann, Betriebsmanager am Standort Bottrop. Das zentrale Klärwerk war seinerzeit schon so groß, dass die gesamte Emscher hindurchfließen konnte. Entsprechend dem damaligen Stand der Technik wurde das Abwasser mithilfe mechanischer Verfahren gereinigt: Grobe und feinere Feststoffe wie Äste, Hygieneartikel und Sand wurden mithilfe von Rechen und Sandfängen entfernt. Organische Schmutzverbindungen verblieben aber im Wasser. Mitte der 1950er Jahre wurde eine weitere mechanische Kläranlage hinzugebaut, sie blieb bis Mitte der 1980er Jahre in Betrieb. Generationenprojekt Zu dieser Zeit erfolgte ein Umdenken in der Emscherregion: Mit dem Rückgang der Industrie nahm ein umfassender Struktur- 6 wlb 2/2016

vogelsang-gmbh.com Blick auf das Klärbecken wandel seinen Anfang. Als offenes Abwassersystem hatte sich die Emscher über die Jahrzehnte zur „Kloake des Reviers“ entwickelt. Wer sich in Flussnähe aufhielt, konnte den allgegenwärtigen Geruch nach Fäkalien und Fäulnis deutlich wahrnehmen. Mit dem Umbau des gesamten Systems startete die Emschergenossenschaft 1992 schließlich ein Generationenprojekt: Mit einer Laufzeit von mehreren Jahrzehnten ist der Emscher-Umbau europaweit einzigartig. Das Abwasser wird derzeit in einen unterirdischen Kanal verlegt, die Ufer werden renaturiert. Schmutzstoffe sind Nährstoffe Die Kläranlage Bottrop – Daten und Fakten Einzugsgebiet: ca. 240 km³ Bemessungsgröße: 1 340 000 Einwohnerwerte Abwassermenge: 8500 l/s Im Zuge des Emscher-Umbaus wurde auch die Kläranlage Bottrop zwischen 1991 und 1997 neu errichtet. Um die Wasserqualität den aktuellen gesetzlichen Vorgaben anzupassen, ergänzte der Wasserverband eine biologische Reinigungsstufe mit Vor- und Nachklärung: Nach der mechanischen Reinigung mittels Rechen und Sandfang lösen Milliarden von Bakterien organische Schmutzstoffe, Phosphor und Stickstoff. In Form von Schlamm setzen sich diese Substanzen am Boden der sechs Belebungsbecken mit rund 10 m Tiefe ab. Dieser wird mit Räumern abgezogen, vorbehandelt und zur Weiterverarbeitung gespeichert. In den Nachklärbecken wird das Gemisch aus Wasser und Bakterienschlamm anschließend getrennt. Der Schlamm setzt sich dort ebenfalls am Boden ab und wird in die Belebungsbecken zurück gepumpt, um eine ausreichende Bakterienkonzentration aufrecht zu erhalten. „Das Wasser hat nun ein Qualitätsniveau erreicht, auf dem es problemlos zurück in die Emscher geleitet werden kann“, so Frehmann. Klärschlamm als Energieträger Dank der zentralen Schlammbehandlungsanlage am Standort Bottrop findet auch der Schlamm weitere Verwendung: Er wird in die Faulung gepumpt. Dort bildet sich Gas, das als Brennstoff eingesetzt wird. Die Faulbehälteranlage der Kläranlage Bottrop besteht aus vier einzelnen Behältern mit einem Volumen von je 15 000 m³. Darin wird der Schlamm bei einer Temperatur von etwa 38 °C über einen Zeitraum von rund 20 bis 30 Tagen ausgefault. Frehmann: „Das Gas speist eigene Blockheizkraftwerke. Strom und Wärme werden im Betrieb der Anlage genutzt.“ Der ausgefaulte Schlamm wird mit Feinkohle und einem Filterhilfsmittel gemischt, entwässert und kann so ebenfalls thermisch vor Ort in einer Klärschlammverbrennung verwertet werden. Am Beispiel der Kläranlage Bottrop zeigt sich deutlich, dass sich der Ausbau ganz klar bezahlt macht: Neben dem energieeffizienten Betrieb kann sich mittlerweile auch die Wasserqualität in Teilen der Gewässer sehen lassen. www.eglv.de BioCrack®: Tuning für Ihre Kläranlage Mehr Gas, weniger Kosten durch elektrokinetische Desintegration. • bis zu 15 % höhere Gas- bzw. Stromerträge • weniger Klärschlamm und reduzierter Flockungsmittelbedarf. Jetzt nachrechnen unter: www.biocrack.de • Geringe Investition, keine Wartungs- und Verschleißkosten, extrem geringe Energiekosten BioCrack – einfacher Test, aussagekräftige Ergebnisse Jetzt ausprobieren!* *Details auf biocrack.de ENGINEERED TO WORK Hugo Vogelsang Maschinenbau GmbH D-49632 Essen/Oldb.