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wlb - Wasser, Luft und Boden 2/2016

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IFAT I SPECIAL

IFAT I SPECIAL Abwasseraufbereitung per thermischer Hydrolyse Dekanter optimieren Klärschlammentwässerung Joost Vliegen Mit dem thermischen Hydrolyse- Prozess unter Einsatz von Dekantern ist eine hocheffiziente Technologie für kosteneinsparende Abwasseraufbereitung weltweit auf Erfolgskurs. Allein in Europa haben 2014/2015 fünf Großanlagen ihre Arbeit aufgenommen und in China sind für 2016 zwei Anlagen in Planung, die dann zu den größten ihrer Art gehören werden. Zentraler Baustein des vom norwegischen Unternehmen Cambi entwickelten und erstmals 1996 in einer Kläranlage in Hamar/Norwegen verbauten Systems zur Klärschlammbehandlung ist eine deutliche Verbesserung der anaeroben Faulung durch eine optimierte thermische Hydrolyse. Dabei übernehmen Dekanter der Firma Gea Autor: Joost Vliegen, Product Group Management Separation, GEA Westfalia, Oelde zwei für den thermischen Hydrolyse-Prozess (THP) entscheidende Aufgaben. Zum einen die für die optimierte Hydrolyse notwendige Vorentwässerung des Schlamms für einen präzisen Austrag von kontinuierlich 16,5 % Trockensubstanz (TS), zum anderen die abschließende Entwässerung nach dem Faulturm bis auf 34 % TS statt der sonst durchschnittlich erreichten 26 %. Außerdem zeichnen sich die Dekanter im Vergleich zu anderen Entwässerungstechnologien wie z. B. Bandfilterpressen oder Schneckenpressen durch konstant präzise Einhaltung der vorgegebenen Zielgrößen für Trockensubstanz und Durchsatzleistung aus. Als geschlossen arbeitende Systeme verhindern sie außerdem Verschmutzungen, Geruchsbelästigung und Aerosolbildung. Hohe Einsparpotenziale für Kläranlagenbetreiber Das perfekte Zusammenspiel der Technologien von GEA und Cambi zahlt sich für die Kläranlagenbetreiber gleich mehrfach aus: Das Verfahren macht den Schlamm flüssiger, erhöht die Faulgeschwindigkeit und verkürzt damit Schlammverweilzeit im Faulturm. Mit gleicher Faulturm-Kapazität kann so eine zwei- bis dreifache Klärschlammmenge verarbeitet werden. Damit entfallen teure Investitionskosten für zusätzliche Faultürme. Und durch die höhere Entwässerung des ausgefaulten Schlamms von 7 bis 10 % TS reduzieren sich das Faulschlammvolumen und damit auch die Entsorgungskosten. Die jährlichen Einsparungen pro Anlage sind gewaltig und können dabei in Summe die Millionengrenze übertreffen: Denn für jedes Prozent Feststoff kann man je nach Anlagengröße und Standort zwischen 70 000 EUR (Deutschland) und 175 000 EUR (Großbritannien) veranschlagen. Ein weiterer geldwerter Vorteil: Das Endprodukt – der ausgefaulte, entwässerte Schlamm – ist ein keimfreies, desinfiziertes Biomaterial, das kompostiert, getrocknet oder in den USA und Großbritannien auch als sogenannter „Class A Sludge“ in Düngerform direkt auf landwirtschaftliche Flächen ausgebracht werden kann. Und last, but not least: Die Umsetzung organischer Trockensubstanzen (oTS) im Klärschlamm in methanreiches Faulgas steigert sich auf einen Anteil von bis zu 65 % und damit werden bis 35 % höhere Biogas-Ausbeuten erreicht. THP als Lösung für den Ballungsraum London Die Vorteile des THP hat auch Thames Water, das führende Wasser- und Abwasserunternehmen in Großbritannien, überzeugt. Dort erreichen die meisten Anlagen nach der Endentwässerung zurzeit noch weniger als 25 % TS. Dazu haben Ballungs- 44 wlb 2/2016

SPECIAL I IFAT gebiete wie der Großraum London zunehmend Probleme, die riesigen Abwassermengen ohne teure Anlagenerweiterungen oder Anlagenneubauten zu bewältigen. Ein Grund ist schlicht Platzmangel, denn allein in und um London gibt es schon 26 große Kläranlagen. Ein weiterer Grund: Thames Water ist dabei, sein Leitbild von dem eines reinen Abwasserbehandlungsunternehmen in das eines Energielieferanten und Nahrungsmittelherstellers zu verändern, wobei Abwasser den wesentlichen Rohstoff liefert. Das Durchsatzvolumen auf den bestehenden Flächen zu erhöhen, ist hier die Lösung. Deshalb hat Thames Water in drei seiner Londoner Anlagen das THP-System inklusive Gea-Dekanter installiert. Je vier Watermaster CF 6000 arbeiten seit 2014 in Crossness und Beckton, die mit jeweils 4,5 Millionen EW zu den Top Five der leistungsstärksten Kläranlagen Europas gehören. Und seit Mitte 2015 optimieren drei Dekanter UCF 466 die Betriebskosten der Kläranlage in Long Reach, eine mittlere Anlage mit 840 000 EW. Bei diesen Anlagen stellen die Dekanter einmal mehr unter Beweis, dass sie auch unter schwierigsten Bedingungen beste Leistungen bringen. Hier müssen für den THP Gemische aus Primärschlamm und Sekundärschlamm trotz schwankender Zusammensetzung kontinuierlich präzise auf 16,5 % TS vorentwässert werden. Eine Aufgabe, die die Dekanter mit absoluter Zuverlässigkeit erfüllen. Quantensprung für Chinas Abwasseraufbereitung Auch in Asien genießt das THP-Anlagendesign von Cambi und Gea hohes Ansehen. Die Dekanter übernehmen die Vorentwässerung des Schlamms, um einen kontinuierlichen TS-Gehalt zu sichern Die Beijing Drainage Group, eines der größten Wasser-/Abwasserunternehmen Chinas, wird mit diesem Design fünf Megaprojekte im Großraum Peking realisieren. Der Startschuss für die umgerüsteten Anlagen Huaifang und Qinghe II ist für 2016 geplant. Bei diesen Projekten waren ebenfalls mangelnde Flächenressourcen für die Entscheidung pro THP ausschlaggebend. Wie alle Mega citys ist Peking im Zuge des Urbanisierungstrends rasant gewachsen. Die ursprünglich außerhalb der Stadt gelegenen Kläranlagen rückten immer näher an bebaute Wohn- und Gewerbe gebiete. Die entsprechend gestiegenen Abwassermengen sind mit den vorhandenen Anlagen nicht mehr zu bewältigen, Platz für Erweiterung nicht vorhanden. Für die Anlagen Huaifang und Qinghe II werden künftig je acht Gea-Dekanter dafür sorgen, dass mit der Inbetriebnahme der THP-Technologie die zu klärenden Abwasserströme auf gleicher Fläche ohne zusätzliche Faultürme aufbereitet werden. Fotos: Thames Water, Gea Halle A1, Stand 427/526 www.gea.com BIRCO GmbH ·Herrenpfädel 142 ·76532 Baden-Baden Bei Regen geBen wiR das Beste. IFAT 2016 30. Mai bis 3. Juni Messe München Halle B5, Stand 351 Großes Volumen für extremen Regen: BIRCO Rigolentunnel von StormTech® halten Wassermassen zurück und versickern sie ins Grundwasser – überall, wo Städte nach innen wachsen oder der Platz an der Oberfläche benötigt wird. Planen Sie besser schon jetzt mit der gesetzlich geforderten Behandlung, Versickerung und Rückhaltung. Für heute. Und für kommende Generationen. BIRCO GmbH ·Herrenpfädel 142 ·76532 Baden-Baden Matthias Fritz Projektleiter bei BIRCO Nutzen Sie unseren Planungsservice. Infos und Kontakt auf www.birco.de