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wlb - Wasser, Luft und Boden 2/2015

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SPECIAL I ACHEMA Vom

SPECIAL I ACHEMA Vom Woher und Wohin Quo Vadis Wasseraufbereitung Matthias Kremer Eine erhöhte Recyclingquote, mehr Flexibilität und Qualität hinsichtlich der Messparameter und Senkung von Kosten – diesen Aufgaben müssen sich die Akteure der Wasserbranche stellen. Nicht mehr alleine das Aufbereiten und Bereitstellen von sauberem Trinkwasser oder die technisch perfektionierte Reinigung des Abwassers stehen im Vordergrund. Vielmehr wird auch die Frage nach der Herkunft des Trinkwassers (Woher) und dem Zustand des Abwassers (Wohin) gestellt. H ersteller von Anlagen propagieren immer stärker die Wiederverwendung von Wasser. Durch ausgeklügelte Kreislaufführung der wertvollen Ressource mit integrierter Aufbereitung soll so wenig wie möglich „Abwasser“ entstehen. Autor: Dipl.-Ing. Matthias Kremer, Branchenmanager Wasser/Abwasser, Jumo GmbH & Co. KG, Fulda Auf der Messe Wasser Berlin 2015 wurde, trotz stärkerer internationaler Ausprägung, das Thema relativ lokal zentral-europäisch dargestellt. Das bedeutet u. a., dass ausreichend Grundwasser vorausgesetzt wird, sowie Regen und Flusswasser zur Speicherung von Wasserreserven ausreichend vorhanden sind. Entsprechend klar war die Botschaft und Darstellung vieler Aussteller: Brunnenbau-, Bohr- und Förderungstechnik, mechanische Filteranlagen und die klassische Abwassertechnologie standen im Vordergrund. „Einleitfähig“ scheint noch immer weitgehend die angestrebte Qualität zu sein. Und doch: Bei genauem hinsehen und in Nischen konnte man auch neue Ansätze entdecken: Woher das Wasser nehmen, wohin damit nach der Nutzung? Kann man nicht doch noch mehr machen? Das Hauptthema der Wetex 2015 in Dubai, einer wichtigen Messe zum Thema Wasser-Umwelt-Energie im arabischen Raum, war ebenfalls Wasser. Neben dem Themenbereich Meerwasserentsalzung wird auch die fehlende Kanalisation in Großstädten wie Dubai immer mehr zum sichtbaren Problem. An Abwasser oder Regenwasserdrainage wurde beispielsweise zu wenig gedacht. Spürbar im Land werden die wassersparenden Maßnahmen z. B. durch das Verbot der Entnahme von Wasser aus dem Boden (nur in Ausnahmen noch genehmigt). Durch die zu intensive Entnahme von Grund- oder Brunnenwasser kann es nicht nur zur Verknappung kommen. Auch die Versalzung zum Beispiel durch nachdrückendes Meerwasser stellt ein Problem dar. Die Einhaltung von Mindestpegeln in unterirdischen Wasserreservoirs ist deshalb ein wichtiger Aspekt. Messtechnische Lösungen Als eine Messe-Neuheit wurde vom Messtechnikspezialisten Jumo eine Pegelsonde für harte Einsatzbedingungen gezeigt. Die Maera S29 SW ist aus Titan und deshalb auch besonders für den Einsatz in Brackund salzhaltigem Wasser geeignet. Der Einsatz in Tiefbrunnen bis 100 m oder Abwasserbehältern mit hohem Anteil an Schmutz- 01 Die Pegelsonde ist aus Titan und deshalb auch für den Einsatz in Brackund salzhaltigem Wasser geeignet 16 wlb 2/2015

ACHEMA I SPECIAL frachten ist möglich. Die Sonde zur Niveaumessung ist mit Atex- und GL-Zertifikat lieferbar. Das „Woher“ wird also schon in den Fokus genommen. Das „Wohin“ auch: Kreislaufführung und Zero-Liquid-Discharge (ZLD – verlustfreie Wiederverwertung) werden propagiert. Sowohl die lokalen Hersteller als auch internationale Zulieferer von Wasseraufbereitungstechnik kümmerten sich bisher mehr um die Bereitstellung von Wasser. Was danach damit geschah, war nicht im Blick. Abwasseraufbereitung, etwa als ganzheitliches Konzept einer verlustfreien Wassernutzung in technischen Prozessen, kommt nun in den Fokus. Nach der Nutzung wieder so aufbereiten, dass man es möglichst verlustarm wieder in den Ursprungsprozess einspeisen kann. Eine Kreislaufführung nach dem „Zero- Liquid-Discharge“-System bedeutet die Kopplung verschiedener Wasseraufbereitungsverfahren beziehungsweise -stufen. In jedem Verfahrensschritt werden unterschiedlichste Parameter gemessen, geregelt, überwacht und es werden Aktoren wie Pumpen, Ventile und Dosiertechnik angesteuert. ZLD funktioniert nur dann, wenn nicht nur die Verfahrensschritte, sondern auch die Messparameter der Stufen zusammengeführt und ausgewertet werden. Auch hier gilt: Die ganzheitliche Betrachtung des Vorganges muss angestrebt werden. Also möglichst viele Parameter gleichzeitig erfassen und auswerten und daraus Vorgaben für die Regelungs- und Steuerungstechnik automatisiert generieren. Intelligente Mehrkanal-Messgeräte wie der Aquis touch S oder P übernehmen hierbei lokale Teilaufgaben. Die Zusammenführung erfolgt in der zentralen Steuerung, wie etwa dem Jumo Mtron-System. Neben Standardmodulen für PID-Regelungen können klassische Registrieraufgaben (Datenlogging mit manipulationssicherer Aufzeichnung) und Ablaufsteuerungen mittels integrierter Soft- SPS erledigt werden. Selbstverständlich stehen Fernübertragungsmöglichkeiten wie Ethernet, SMS und E-Mail zur Verfügung, die eine Kontrolle und den Eingriff in entfernter gelegene Wasseraufbereitungsanlagen erlauben. Fazit Ob Zentraleuropa oder Arabien – das Thema „knappe Ressource Wasser“ ist inzwischen überall topaktuell. Und das ist auch gut so. 02 Mehrkanal-Mess- und Regelgerät mit Sensorik für pH, Redox, freies Chlor und Temperatur zum Thema Wasser-Desinfektion mit der neuen Kombiarmatur für Sensoren Die aktive Heranführung von Kindern und Jugendlichen (Aktivitäten der Berliner Schulen an der Messe Wasser Berlin) an das Thema ist sehr begrüßenswert und wichtig – schließlich werden sich die Probleme noch verschärfen. ZLD – das „Perpetuum Mobile“ der Wassertechnik – muss weitergedacht und umgesetzt werden. Intelligente Messtechnik und robuste Sensorik stehen zur Verfügung. Gefragt sind jetzt nicht Industrie 4.0 oder ein Roboter: Hier muss der Mensch selbst ran und seine Intelligenz auch einmal „intelligent“ einsetzen. Halle 11.1, Stand E41 www.jumo.net wlb 2/2015 17