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wlb - Wasser, Luft und Boden 1/2017

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WLB AKTUELL Intelligente

WLB AKTUELL Intelligente Systeme sind erforderlich OWL-Abwassertag diskutiert Lösungen für Abwasserinfrastrukturen der Zukunft Abwasser 4.0 war Thema des OWL-Abwassertags bei der Firma Jung Pumpen in Steinhagen. Die Veranstaltung mit etwa 160 Teilnehmern und Referenten aus Wissenschaft, Wirtschaft und Praxis hat sich inzwischen zu einem anerkannten Fachforum der Entwässerungstechnik etabliert. Die Entwicklung smarter Komponenten beschäftigt inzwischen auch die Abwassertechnik, sodass das „Internet of Things“ jetzt Kommunen, Kläranlagen und Abwasserzweckverbände in die Lage versetzt, Abwasserentsorgungsprozesse smart zu managen, Probleme – z. B. blockierende Pumpen – zu detektieren und geeignete Maßnahmen zu veranlassen. Besonders Regenereignisse unvorhersehbaren Ausmaßes stellen die Kommunen vor Herausforderungen, die neue Lösungen erfordern. Welche Auswirkungen dies auf die kommunale Abwasserwirtschaft hat und ob sich die komplexen Prozesse und unvorhersehbaren Ereignisse durch eine smarte Abwasserinfrastruktur lösen lassen, wurde beim 9. OWL-Abwassertag offen diskutiert. Möglichkeiten der Nutzung von 4.0 Den ersten Vortrag übernahm Prof. Thamsen von der TU Berlin. Er präsentierte praktische Beispiele von Abwasser 4.0 an realen Pumpwerken und klärte die Frage, wie eine Den Einsatz eines standardisierten Niederschlagsdaten-Managementsystems diskutierte Reinhard Hövel vom Oldenburgischintelligente Pumpstation funktioniert – nämlich nur, wenn sich die Stationen untereinander unterhalten können. Sein Fazit: Die digitale Transformation der Abwasserbewirtschaftung wird es erlauben, neue und vorteilhafte Möglichkeiten der Datenerfassung und Datenauswertung zu nutzen, um damit den Bestand zu optimieren und die notwendige Betriebsflexibilität für die Zukunft zu garantieren. Als Beispiele nannte Thamsen den vorausschauenden Betrieb bei Starkregenereignissen durch die Integration von Niederschlagsprognosen, den optimalen Zufluss für Kläranlagen oder die optimierte Bewirtschaftung von Pumpsystemen. Eine intelligente Netzbewirtschaftung würde es ermöglichen, die Kapazitäten der bestehenden Abwasserinfrastruktur besser auszunutzen, ohne in aufwändige Sanierungs- und Neubaumaßnahmen investieren zu müssen. Im Anschluss stellte Michael Rix von der Hamburger Stadtentwässerung dar, wie unerlässlich Pumpenanlagen für die Sicherstellung der Betriebsabläufe sind. Gleich­ zeitig betonte er, dass die Betreiber von Abwasseranlagen vor immer größere Herausforderungen gestellt werden. Sein Fazit: „Es ist noch ein langer Weg, bis eine komplette Vernetzung der kompletten Infrastruktur mit einer aufgesetzten Intelligenz zu störungsfreien Netzen führt.“ Teilerfolge seien aber schon zu vermelden: Durch intelligente Frequenzumformer und Rückspülprogramme an den Pumpen hat die Hamburger Stadtentwässerung erreicht, dass problembehaftete Pumpstationen deutlich weniger Störeinsätze erfordern als in der Vergangenheit. Feuchttücher, die oft Blockaden in der Hydraulik der Pumpen verursachen, können so in den meisten Fällen autonom wieder frei gefahren werden. Michael Langer vom Tüv Nord bot einen kurzen und interessanten Ausflug in die Themen Betriebssicherheitsverordnung, Zonenplan und Explosionsschutzdokument. Sein Appell an die Zuhörer: „Schon bei geringen Mengen explosiver Atmosphäre sind Explosionsschutzmaßnahmen erforderlich. Insbesondere beim Betrieb von kleinen abwassertechnischen Anlagen wird dieses Risiko oft unterschätzt.“ Problem Starkregenereignisse 12 wlb 1/2017

WLB AKTUELL 01 Die Referenten des 9. OWL-Abwassertages (v. l.): Michael Rix, Marco Koch, Prof. Dr.-Ing. Paul Uwe Thamsen, Daniela Deifuß-Kruse, Swen Pfister, Reinhard Hövel, Michael Langer, Hartmut Solas 02 Bei der begleitenden Fachausstellung konnte die Thematik anhand der Exponate vertieft werden Ostfriesischen Wasserverband (OOWV) in seinem Vortrag. Der Verband verfolgt zeitnah den Aufbau eines solchen Systems entsprechend dem neuesten Stand der Technik. Für die verbandsgebietsweite Deckung dieses Informationsbedarfs sind Niederschlagsradardaten besonders geeignet und sollen in das Projekt, das sich derzeit in der Umsetzungsphase befindet, integriert werden. Swen Pfister von der Hansewasser Bremen GmbH stellte im Anschluss das ressortübergreifende Forschungsvorhaben KLAS (Klimaanpassung Extreme Starkregenereignisse) vor. Die Hansewasser Bremen, als Betreiber der öffentlichen Abwasserentsorgung in Bremen, unterstützt das Forschungsvorhaben seit Beginn maßgeblich mit Ressourcen aus den Bereichen Generalentwässerungsplanung/Überflutungssimulation, Planung und Bau, Kundenberatung und Grundstücksentwässerung. Als Hausherr der Jung Pumpen GmbH führte Marco Koch in das Thema Feuchttuchproblematik ein: „Wir haben auf die erhöhte Verstopfungsanfälligkeit mit einer neuen Pumpenbaureihe aus der Familie der Freistromradpumpen reagiert.“ Gerade Kanalradpumpen mit hohen Wirkungsgraden sind von Blockaden betroffen, diese werden mehr und mehr gegen Freistromradpumpen getauscht. Dies verschlechtert zwar die Energieeffizienz der Anlage, führt aber aufgrund der reduzierten Störeinsätze zu erheblich weniger Wartungskosten. Um Zerfallseigenschaften und Prüfverfahren von Feucht- und Pflegetüchern ging es in dem Vortrag von Hartmut Solas vom IAB Weimar. Dort wurde ein neues Prüfgerät mit Prüfalgorithmus entwickelt. Es kann zukünftig dazu dienen, Herstelleraussagen zu überprüfen bzw. ein genormtes Prüfverfahren für Feuchttücher auf den Weg zu bringen. Die Rechtsanwältin Daniela Deifuß-Kruse betrachtete das Thema abschließend aus der rechtlichen Perspektive. Ihr Resümee: „Anlagenbetreibern stehen durchaus wirksame rechtliche Möglichkeiten zur Verfügung, die falsche Benutzung der Abwasseranlage mit Feuchttüchern einzudämmen oder auch Schäden geltend zu machen. Allerdings bedarf dies einer sorgfältigen Vorbereitung und der umfassenden Aufklärung der Nutzer.“ Zwischen den Vorträgen mit aktuellem Wissen aus Theorie und Praxis hatten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer genug Zeit für Gespräche und persönlichen Austausch. Individuelle Probleme konnten auch in der Fachausstellung der Industriepartner anhand der dort gezeigten Exponate diskutiert werden. (eli) www.jung-pumpen.de E I N L A D U N G Mittwoch, 5. April 2017 8:00 bis 16:00 Uhr Halle Messe Messestraße 10 06116 Halle (Saale) Messtechnik Steuerungstechnik Regeltechnik Prozessleitsysteme Automatisierung Führende Fachfirmen der Branche präsentieren ihre Geräte und Systeme und zeigen neue Trends im Bereich der Automatisierung auf. Die Messe wendet sich an Fachleute und Entscheidungsträger die in ihren Unternehmen für die Automatisierung verantwortlich sind. Der Eintritt zur Messe, die Teilnahme an den Fachvorträgen und der Imbiss ist für die Besucher kostenlos. MEORGA GmbH Sportplatzstraße 27 66809 Nalbach www.meorga.de Meorga.indd 1 13.02.2017 10:25:24 wlb 1/2017 13