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wlb - Wasser, Luft und Boden 1/2016

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wlb - Wasser, Luft und Boden 1/2016

SPEKTRUM lisierung

SPEKTRUM lisierung wurden zwei parallele Feldversuche mit Melasse und Eisen(II)sulfat durchgeführt. Bei besserer Wirksamkeit der Melasse zeigen die Feldversuche, dass Cr(VI) durch ISCR-Prozesse in Cr(III) überführt und somit aus dem System entfernt werden kann. Bahnhofshinterfahrung Hagen Ein interessantes Beispiel zum integralen Flächenrecycling stellten Christa Stiller- Ludwig (Stadt Hagen) und Dr. Rita Bettmann (AAV) vor. Für die Bahnhofshinterfahrung am Hagener Hauptbahnhof waren zugleich Industriebrachen wie das ehemalige Varta-Gelände und das frühere Postgelände zu sanieren, wasserbauliche Maßnahmen an der Ennepe zur Verbesserung der Hochwassersituation und der Gewässerstrukturgüte, der Herstellung der ökologischen Durchgängigkeit und der Entdeckelung des überbauten Gewässers sowie die Straßenplanung durchzuführen. Auf Behördenseite arbeitete ein Team aus Wasser-, Boden- und Abfallbehörde erfolgreich zusammen. Im Zuge der Gesamtmaßnahme wurde die Ennepe teilweise renaturiert, 14 Betriebs- und Kabelbrücken, eine Eisenbahnbrücke, eine Straßenbrücke sowie verschiedene Wehre wurden zurückgebaut. Die neue, über 1,6 km lange Umgehungsstraße eröffnet neue Impulse für die Stadtentwicklung und die Umwelt. Dr. Rita Bettmann (AAV) berichtete über den 2. Bauabschnitt, ein AAV-Projekt, in dem die neue Straßentrasse verschiedene Brachen kreuzt. Hier waren 17 einzelne Gebäude auf 20 000 m² bebauter Fläche mit 200 000 m³ umbautem Raum abzubrechen. 21 000 m³ mineralischer Abbruchabfälle wurden zu Recyclingbaustoffen für den Straßenbau aufbereitet, lediglich 3000 t höher kontaminiertes Material mussten entsorgt werden. Nach dem Abbruch der ehemaligen Betriebsgebäude erfolgt aktuell die Bodensanierung parallel mit den laufenden Straßenbaumaßnahmen über einen Zeitraum von Mai 2015 bis Ende 2018. Durch intelligentes Bodenmanagement wird ein Großteil der mäßig belasteten Aushubmaterialien wieder eingebaut. F+E-Projekte des AAV Zum Abschluss der Fachtagung regte Dr. Ernst-Werner Hoffmann (AAV) ein neues F+E-Projekt des Verbandes an, das sich mit dem Umgang von Grundwasserschadensfällen in Kreide- und Ruhrkarbon in der Hellweg-Zone beschäftigen soll. Bei dem F+E-Vorhaben soll geklärt werden, welche Bedeutung sogenannte „Leakage“-Prozesse auf das Deckgebirgs-Grundwasser haben und welche Altlasten und altlastverdächtige Flächen in Bereichen mit „Leakage“-Einfluss liegen. Im Ruhrgebiet wird das grundwassergefüllte Deckgebirge von einem weitgehend entwässerten Ruhrkarbon unterlagert. Fenster und vertikale Wasserwegsamkeiten bilden eine Verbindung und ermöglichen einen lateralen Grundwassertransport in die Depressionszonen. Die stärksten Auswirkungen sind dort zu erwarten, wo nur Kreidegesteine das Ruhrkarbon überlagern (Hellweg-Zone, zwischen Dortmund und Mülheim). Bei der Mehrzahl der „alten“ Bergwerke in der Hellweg-Zone wurden bis in die 1920er/1930er-Jahre Kokereien betrieben, die in hydraulischen Depressionszonen liegen können. Für andere Altlasten und Grundwasserschadensfälle in den entsprechenden Bereichen kann eine „Umlenkung“ der Fahne auf die Depressionszonen erfolgen. Zu den Aufgaben des AAV gehören die Einführung und Anwendung neuer Techniken zur Sanierung von Altlasten und schädlichen Bodenveränderungen sowie zur Förderung des Flächenrecyclings und des Gewässerschutzes. Hierzu wurden und werden durch den AAV mit verschiedenen Partnern F+E-Projekte durchgeführt. Fotos: Fotolia, Wikipedia, 01 AAV, 02 Stadt Hagen www.aav-nrw.de 02 Bau an der Bahnhofshinterfahrung Hagen 4 TerraTech 1/2016

Neue Karte macht alte Schadstoffbelastungen sichtbar SPEKTRUM Wälder sind Lebensraum für Pflanzen und Tiere, produzieren Sauerstoff und ihre Böden reinigen das Regenwasser. Waldböden speichern aber auch Schadstoffe und sind daher ein guter Gradmesser für die Umweltbelastung. In einer neuen, interaktiven Karte des Umweltbundesamtes (http://gis.uba.de/website/apps/bze/) lässt sich nun recherchieren, wie hoch die Waldböden mit persistenten, organischen Schadstoffen belastet sind. Polyaromatische Kohlenwasserstoffe, die über Jahrzehnte aus dem Stein- und Braunkohleabbau, der Mineralölindustrie oder aus Kaminen in Haushalt und Industrie freigesetzt wurden, finden sich in den Waldböden ebenso wie die seit über 30 Jahren in Deutschland verbotenen polychlorierten Biphenyle (PCB). Auch DDT – ein seit langer Zeit bereits verbotenes Insektizid, das in Deutschland zuletzt 1985 in den Kiefernwäldern Brandenburgs gegen den Borkenkäfer versprüht wurde – lässt sich heute noch nachweisen. Die Daten sind ein Spiegelbild der Chemieanwendung und Schadstoffemissionen in beiden Teilen Deutschlands: Vor allem an alten Industriestandorten wie dem Saarland, dem Ruhrgebiet und dem Bitterfeld-Wolfener Chemiedreieck gibt es erhöhte Konzentrationen zum Teil längst verbotener Stoffe. Die gute Nachricht: An den meisten Standorten liegen die Werte unter den Vorsorgewerten der Bundesbodenschutzverordnung. „Eine direkte Gefährdung der Bevölkerung zeigen unsere Bodenschadstoff-Daten nicht, aber wir können auch keine Entwarnung geben: Böden speichern einmal in die Umwelt entlassene persistente Schadstoffe und werden diese über Jahrzehnte nach und nach freigeben“, sagte Maria Krautzberger, Präsidentin des UBA. Das Beispiel DDT zeigt das deutlich: Hier werden Belastungen nicht nur dort gefunden, wo das Mittel versprüht wurde, sondern teilweise auch in der weiteren Umgebung. www.umweltbundesamt.de Seminar: Natural Attenuation in der Praxis der Altlastenbearbeitung Der Fortbildungsverbund Boden und Altlasten Baden-Württemberg bietet am 15.03.2016 in Karlsruhe ein Seminar mit dem Titel „Natural Attenuation in der Praxis der Altlastenbearbeitung“ an. Das eintägige Seminar soll Grundlagen vermitteln und neue Erkenntnisse aus Praxis und Forschung vorstellen. Die Veranstaltung richtet sich an Behördenvertreter, Gutachter, Sachverständige und Sanierungspflichtige. Das Seminar ist eine geeignete Fortbildung gemäß § 8 der Verordnung über Sachverständige und Untersuchungsstellen für Bodenschutz und Altlasten (BodSchASUVO). Natürliche Abbau- und Rückhalteprozesse (Natural Attenuation, NA) können die Ausbreitung von Schadstoffen in Grundwasserleitern verlangsamen oder zum Stillstand bringen. Bei der Bearbeitung von Altlasten werden die NA-Prozesse zunehmend berücksichtigt. Bei Vorliegen entsprechender Voraussetzungen, d. h. eine stationäre Schadstofffahne mit einer relativ geringen Ausdehnung, besteht unter bestimmten Rahmenbedingungen die Möglichkeit, auf eine herkömmliche Altlastensanierung zu verzichten und durch ein Monitored Natural Attenuation Konzept zu ersetzen. Unverzichtbare Bedingung hierbei ist, dass die natürlichen Abbau- und Rückhalteprozesse identifiziert und quantifiziert werden können. Ein Langzeit-Monitoring muss zusätzlich sicherstellen, dass der vorliegende begrenzte Grundwasserschaden keine weitere Ausdehnung erfährt. Diese Anforderung an die Altlastenbearbeitung hat die Entwicklung neuer Methoden initiiert. In diesem Zusammenhang sind die Erfassung der Redoxzonierung, der spezifische Nachweis relevanter Mikroorganismen, die Durchführung von standortspezifischen Abbauversuchen (Mikrokosmen), die Isotopenfraktionierung und Ansätze zur Modellierung zu nennen. Die Veranstaltung stellt den aktuellen Entwicklungsstand anhand von Beispielen vor. www.fortbildungsverbund.de Chlorierte Kohlenwasserstoffe im Grundwasser Das Buch Chlorierte Kohlenwasserstoffe im Grundwasser von Hermann Josef Kirchholtes und Wolfgang Ufrecht stellt die Modelle und Ansätze vor, die helfen, die räumlichen Funktionalitäten, den Transport, die Speicherung und Abbauraten der Schadstoffe zu erfassen sowie die Wirkung von Sanierungsmaßnahmen zu prognostizieren. Es erläutert die Vorgehensweise zur Ausstellung und Anwendung eines kommunalen Grundwassermanagementplans. Die 1983 begonnenen Sanierungsmaßnahmen haben in der Stuttgarter Innenstadt zu einem Austrag von rund 25 000 kg leichtflüchtiger chlorierter Kohlenwasserstoffe (LCKW) geführt. Dennoch stagnieren seit 1988 die in den Stuttgarter Heil- und Mineralquellen auftretenden Gehalte an LCKW. Dies zeigt, dass es trotz umfangreicher standortbezogener Maßnahmen nicht gelang, den Schadstofftransport in Richtung auf die Heil- und Mineralquellen vollständig zu unterbinden. Aufgabe war es daher, das Verhalten der Schadstoffe ausgehend von den Standorten, die als Schwerpunkte des LCKW-Eintrags identifiziert worden waren, zu klären. Dabei war die Ausbreitung horizontal wie auch vertikal zwischen den komplex gegliederten grundwasserleitenden Schichten des Keupers bis hin zum mineralwasserführenden Oberen Muschelkalk zu untersuchen. Ein ausführlicher Beitrag zum Projekt MAGplan ist in TerraTech 4/2015 erschienen. Hermann Josef Kirchholtes und Wolfgang Ufrecht (Hrsg.): Chlorierte Kohlenwasserstoffe im Grundwasser – Untersuchungsmethoden, Modelle und ein Managementplan für Stuttgart, 2015, 280 S. Hardcover € 44,99 (D), € 46,26 (A), sFr 47.50 (CH), ISBN 978-3-658-09248-1. Auch als eBook verfügbar. www.springer.com TerraTech 1/2016 5