Aufrufe
vor 10 Monaten

wlb - Wasser, Luft und Boden 1/2016

  • Text
  • Wlb
  • Boden
  • Wasser
  • Luft
wlb - Wasser, Luft und Boden 1/2016

SPEKTRUM AAV-Fachtagung

SPEKTRUM AAV-Fachtagung 2016 Aktuelle Themen des Flächenrecyclings und der Altlastensanierung Hans Joachim Schmitz Erfolgreiche Beispiele zum Flächenrecycling, Praxiserfahrungen bei In-situ-Maßnahmen zur Grundwassersanierung, der neue Entwurf der LAWA zur Ableitung von Geringfügigkeitsschwellenwerten und praktische Auswirkungen des NRW-Bodenmaterial-Erlasses auf Verfüllmaßnahmen in Abgrabungen – die diesjährige Fachtagung des Verbands für Flächenrecycling und Altlastensanierung NRW AAV bot interessante Vorträge. Autor: Hans Joachim Schmitz, Pressebüro HJS, Stromberg Am 3. Dezember 2015 führte der AAV in der historischen Gebläsehalle der Hattinger Henrichshütte seine Fachtagung zum Flächenrecycling und zur Altlastensanierung durch. Geschäftsführer Dr. Roland Arnz wies in seiner Einführung auf die steigende Marktnachfrage nach Flächen hin, u. a. eine Folge rasch anwachsender Zuwanderung. Stefan Schroers (Landesamt für Umwelt NRW) berichtete über ein Monitoring-Programm zum NRW-Bodenmaterial-Erlass (letzte Fassung 1.12.2014) für das Einbringen von Bodenmaterial, hier außerhalb technischer Bauwerke (Geltungsbereich BBodSchV), bei dem beispielhaft zehn repräsentative Proben aus Haufwerken der Bau- und Rohstoffindustrie analytisch untersucht wurden. Ziel des Monitorings war u. a. der Vergleich der Elutionsmethoden mit W/F = 2:1 (DIN 19527 und 19529) und 10:1 (DIN 38414) anhand unterschiedlichster Proben und die daraus folgende Beurteilung der Verwertbarkeit des Materials. Anhand einiger Einzelparameter (As, Cd, Pb, Sulfat und PAK) wurde gezeigt, dass ein Ausschluss der Verwertung in der Mehrzahl der betrachteten Proben aufgrund der Überschreitung der PAK-Feststoffwerte begründet ist (unabhängig von den Eluatwerten). Die vorliegenden Ergebnisse sollen in die Diskussion im Rahmen der Mantelverordnung (Ersatzbaustoffverordnung) eingebracht werden. Über die Auswirkungen des Bodenmaterial-Erlasses auf die Möglichkeiten zur Verfüllung bestehender Abgrabungen referierte im Anschluss Petra Umlauf-Schülke (Umweltministerium NRW). Nach einem Überblick über bestehende und laufende Verfüllungen von Abgrabungen in NRW (derzeit 260 gemeldete Fälle) zog sie folgendes Fazit: n Neue Elutionsmethoden mit W/F 2:1 führen nicht zu gravierenden Veränderungen der Materialströme für Bodenmaterial bis Z0* n Der Widerruf von bestandskräftigen Altgenehmigungen ist nur bei Beeinträchtigung des Allgemeinwohls denkbar. Bestehende Genehmigungen laufen zunächst weiter – Veränderungen werden erst langsam und allmählich wirksam werden n Begrenzt verfügbaren Mengen an Bodenmaterial der Qualität Z0/Z0* stehen hohe Restverfüllkapazitäten in sog. bodenähnlichen Anwendungen gegenüber, daher ist die Neugenehmigung von Verfüllung/Anschüttungen restriktiv zu handhaben, nur bei nachgewiesenem Bedarf n Umlagerungsmöglichkeiten vor Ort sind vorzugsweise zu nutzen Rechtsanwalt Nikolaus Steiner setzte sich kritisch mit den wesentlichen Änderungen bei den GFS-Werten (Geringfügigkeitsschwellenwerte) im LAWA-Entwurf vom Juni 2015 auseinander. Er stellte u. a. fest, dass die GFS-Werte rein vorsorgeorientiert seien und dass die Ableitungssystematik z. T. zu niedrigen Werten führt. Speziell im Nachsorgebereich kann die Anwendung der neuen GFS-Werte zu sehr unsinnigen Ergebnissen führen. Gegenüber der bisherigen Version von 2004 sind Umweltqualitätsnormen für Oberflächengewässer (OGewV) in die Ableitung von GFS-Werten für Grundwasser einbezogen worden. Die Addition des geogenen Hintergrundwertes (Basiswert) entfällt, einige GFS-Werte 2015 unterschreiten den geogenen Hintergrundwert. Insbesondere für anorganische Stoffe gibt es eine deutliche Verschärfung der GFS-Werte 2015. Das Papier und vor allem die Datenblätter für die einzelnen Parameter waren zum Zeitpunkt des Vortrags noch nicht veröffentlicht. Zur rechtlichen Einstufung der GFS-Werte ist zu sagen, dass das LAWA-GFS-Papier keine Rechtsnorm ist. GFS-Werte können allenfalls Ausgangspunkt einer Einzelbeurteilung sein; ihre Übernahme eins zu eins als Sanierungszielwert ist rechtswidrig, wie der VGH Baden- Württemberg mit Urteil vom 8.3.2013 (Az.: 10 S 1190/09) festgestellt hat. Düsseldorfer Grundwasser Eine Bilanz zur Verbesserung des Düsseldorfer Grundwassers im Zuge des 15 Jahre währenden Baus der U-Bahnlinie Wehrhahn zog Inge Bantz (Stadt Düsseldorf). Hier galt es, die geplanten Baumaßnahmen mit den wasserrechtlichen Vorschriften und wasserwirtschaftlichen Zielen zu vereinbaren. 2 TerraTech 1/2016

SPEKTRUM Aufbauend auf einem hydraulischen Konzept aus dem Jahre 2004/2005 wurde die für den U-Bahnbau erforderliche Bauwasserhaltung mit den gleichzeitig im Innenstadtbereich laufenden Grundwassersanierungsanlagen durch zentrale Steuerung so optimiert, dass schließlich eine deutliche Beschleunigung der verschiedenen Grundwassersanierungsmaßnahmen herauskam, ohne horizontale oder vertikale Schadstoffverlagerungen in unbelastete Bereiche. So wurden zusätzliche Förder- und Aufbereitungsanlagen errichtet, um eine großräumigere, integrierte Bearbeitung zu erreichen. Neben den für die Wasserhaltung des U-Bahnbaus erforderlichen Finanzmitteln (6,2 Mio. €) erfolgte die weitere Finanzierung der Grundwassersanierung durch beträchtliche Mittel Ordnungspflichtiger (4,1 Mio. €), der Stadt Düsseldorf (3,2 Mio. €) und des AAV (2,4 Mio. €). Die 3,4 km lange Wehrhahn-Linie soll nach 15 Jahren Bauzeit im Frühjahr 2016 eröffnet werden. Wenn lang laufende Maßnahmen das Sanierungsziel nicht erreichen: Dr. Michael Kerth (Dr. Kerth + Lampe Geoinfometric) zeigte an einem Praxisbeispiel die Anwendung von In-situ-Sanierungsmaßnahmen zur Effizienzsteigerung von LCKW-Sanierungen. Beim vorgestellten Beispiel einer chemischen Reinigung mit einem unfallartigen LCKW-Eintrag wurde eine seit 1989 laufende Pump-and-Treat-Maßnahme zunächst durch weitere Maßnahmen (ISCO und In-situ-Strippen) ergänzt, um größere Schadstoffmengen aus dem Untergrund zu entfernen. Die aktuell ermittelte, diffus verteilte Restbelastung in 12–13 m Tiefe ist nach dem Stand der Technik weder mit konventionellen noch mit innovativen Methoden mit verhältnismäßigen Mitteln zu sanieren. Es wurde ein Pilotversuch mit einer Heißwasserspülung realisiert, um die Restbelastungen zu mobilisieren. Sowohl durch mechanische Einwirkung (Bohrarbeiten) als auch durch die Einwirkung von heißem Wasser lassen sich LCKW in erheblichen Mengen mobilisieren. Aus dem rund 100 m 2 großen Testfeld können aktuell rund 150 g LCKW pro Tag (rechnerisch 50 kg/Jahr) entfernt werden. Durch Ausweitung der Pilotierung auf die Gesamtfläche können die vorhandenen Schadstoffe nach Einschätzung des Gutachters vollständig aus dem Untergrund entfernt werden. 01 Interessierte Zuhörer auf der Fachtagung Mobilisierung von Chrom-VI Die Pilotierung einer In-situ-Immobilisierung von Chrom-VI im Abstrom einer ehemaligen Zeche stellte Dr. Stefan Vomberg (CDM Smith) vor. Um die Sanierungsdauer der zurzeit im Bereich des Standortes sowie des nahen Unterstroms laufenden hydraulischen Sicherungsmaßnahmen zu verkürzen, soll auch hier ein In-situ-Verfahren zur Anwendung kommen, wobei die Immobilisierung des toxischen Cr(VI) durch Reduzierung in Cr(III) erfolgen soll. Für die Immobi- TerraTech 1/2016 3