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wlb - Wasser, Luft und Boden 1/2016

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wlb - Wasser, Luft und Boden 1/2016

ABFALLTECHNIK/RECYCLING

ABFALLTECHNIK/RECYCLING Da geht was durch Drehkolbenpumpen in der Biokomposterzeugung Mike Eiting Im Biokompostwerk der Entsorgungs- Gesellschaft Westmünsterland (EGW) setzt man zur Förderung von Prozesswasser, Brauchwasser und Rezirkulat auf Drehkolbenpumpen. Lange Standzeiten, niedrige Lebenszykluskosten und hohe Wartungsfreundlichkeit haben das Entsorgungsunternehmen überzeugt. Autor: Mike Eiting, Business Development Manager, Börger GmbH, Borken-Weseke Die EGW betreibt ein Biokompostwerk in Gescher-Estern. In der modernen Anlage werden ca. 50 000 t/a Bioabfälle, Parkund Gartenabfälle zu Qualitätskompost umgewandelt. Um den Prozess stabil zu halten, ist eine verlässliche Technik unabdingbar. Seit einigen Jahren setzt man an verschiedenen Stellen Börger Drehkolbenpumpen ein. Aus einem Portfolio von 20 Pumpengrößen mit Fördermengen zwischen 1 und 1500 m³/h wird die richtige Pumpengröße für den jeweiligen Einsatzfall gewählt. Dabei ist keine Pumpe wie die andere. Sämtliche Bestandteile der Pumpe werden individuell nach den Anforderungen des Fördermediums und des Kunden ausgewählt. Aufgrund der chemisch aggressiven organischen Säuren in den Fördermedien sind die bei der EGW eingesetzten Pumpen aus hochwertigem Edelstahl gefertigt. Die Biokomposterzeugung Nach Anlieferung der Bioabfälle werden diese grob zerkleinert und Störstoffe werden entzogen. Ein Magnetabscheider trennt die metallischen Anteile vom Bioabfall. Im nächsten Produktionsschritt werden die Bioabfälle mit Rezirkulat aus der betriebseigenen Biogasanlage und Prozesswasser aus der Rottung bewässert und anschließend ausgepresst. Das ausgepresste Prozesswasser hat einen hohen Energieanteil und wird der Biogasanlage zugeführt. Die Biogasanlage liegt ca. 800 m von der Kompostieranlage entfernt. Das Rezirkulat wird mehrmals täglich in einem Tankwagen von der Biogasanlage zur Pressung gebracht. Auf dem Rückweg transportiert der Tankwagen das energiereiche Prozesswasser aus der Pressung zur Biogasanlage. Eine am Tankwagen montierte Drehkolbenpum- 38 wlb 1/2016

ABFALLTECHNIK/RECYCLING pe des Herstellers befüllt und entleert diesen. Aufgrund ihrer kompakten Bauweise und der Möglichkeit, die Pumpe reversibel zu betreiben, ist die Pumpe hierfür ideal geeignet. Das Rezirkulat wird in einem Vorlagebehälter gesammelt. Von hier aus wird es bedarfsgerecht zur Bewässerung der Biomasse in die Presse gefördert. Für den Förderprozess des stark sandund feststoffhaltigen Rezirkulates setzte das Entsorgungsunternehmen bislang eine Exzenterschneckenpumpe ein. Aufgrund von übermäßigem Verschleiß und sehr aufwändigen Wartungsarbeiten soll die Pumpe zukünftig durch eine Drehkolbenpumpe ersetzt werden. Derzeit übernimmt eine Handwagenpumpe die Förderaufgabe. Die leicht zu schiebende Mobilpumpe wird als „Notfallpumpe“ auf dem Betriebsgelände eingesetzt. Angetrieben wird die Edelstahlpumpe von einem 5,5 kW Elektromotor. Förderung von Prozesswasser Nach der Pressung werden die Bioabfälle mit ca. 8 % Struktur angereichert und in die Rottehalle gegeben. Die 5000 m² Mietenkompostierung hat acht Felder. Um den Prozess der Rotte zu beschleunigen, wird der Biomasse Sauerstoff zugeführt. Durch stetiges Umschichten, Umsetzen und Bewässern kann die Rotte stark verkürzt werden. Die Bewässerung erfolgt während der Umschichtung. Zwei Drehkolbenpumpen fördern abwechselnd Prozesswasser oder Brauchwasser auf die Biomasse. Das Brauchwasser spült Ammoniak aus der 01 Die Bioabfälle werden mit Rezirkulat aus der betriebseigenen Biogasanlage und Prozesswasser aus der Rottung bewässert Biomasse. So wird eine Geruchsbildung verhindert. Die Rotte erfolgt auf einem Spaltboden. Durch die Spalten kann Sauerstoff auch von unten an die Biomasse gelangen. Das Prozesswasser fließt durch die Spalten ab und wird in unterirdischen Behältern gesammelt. Von hier aus wird es durch die Pumpen zur Pressung oder erneuten Bewässerung in die Rottung gefördert. Die zuvor eingesetzte Kreiselpumpe hatte wiederkehrende Probleme mit den im Prozesswasser enthaltenen Feststoffen. Geringere Förderleistungen oder ein Ausfall der Kreiselpumpe störten den Prozess. Seitdem die Feststoff unempfindlichen Drehkolbenpumpen eingesetzt werden, kam es zu keinen Störungen mehr. Einfache Wartung Die Wartungsarbeiten werden vielfach vom betriebseigenen Schlosser übernommen. Aufgrund des wartungsfreundlichen Aufbaus der Pumpen können Verschleißteilwechsel in sehr kurzer Zeit durchgeführt Drehkolbenpumpen reagieren unempfindlich auf eine Feststoffbelastung werden. Ein Ausbau der Pumpen ist dabei nicht notwendig. Sämtliche mediumberührten Teile können am Standort der Pumpe sehr einfach durch den Schnellschlussdeckel kontrolliert und erneuert werden. Börger nennt dieses zeitsparende Prinzip Maintenance in Place (MIP). Nach mehreren Jahren Erfahrung mit den Börger Pumpen zieht Anlagenleiter Schmittmann-Wehning ein positives Fazit: „Wir sind mit den Börger Pumpen durchweg zufrieden. Die Pumpen laufen sehr prozesssicher und die Probleme der zuvor eingesetzten Kreiselpumpen konnten abgestellt werden. Zudem sind die Lebenszykluskosten der Pumpen recht niedrig.“ Fotos: Fotolia, Börger www.boerger.de 02 Diese leicht zu schiebende Mobilpumpe wird als „Notfallpumpe“ auf dem Betriebsgelände eingesetzt wlb 1/2016 39