Aufrufe
vor 10 Monaten

wlb - Wasser, Luft und Boden 1/2016

  • Text
  • Wlb
  • Boden
  • Wasser
  • Luft
wlb - Wasser, Luft und Boden 1/2016

ABFALLTECHNIK/RECYCLING

ABFALLTECHNIK/RECYCLING Wann ist es wirklich gut? Umsetzung der BQS in der Bauausführung aus Sicht einer Baufirma Jens Bethge, Roland Knabe Die bundeseinheitlichen Qualitätsstandards (BQS) werden von der Bund/Länder-Arbeitsgemeinschaft Abfall (LAGA) Ad-hoc-AG „Deponietechnik“ erarbeitet, von der LAGA-Hauptversammlung verabschiedet und anschließend auf der Homepage veröffentlicht. Seit Inkrafttreten der BQS wird viel über ihre Vor- und Nachteile diskutiert. Der Grundgedanke der BQS ist, im Deponiebau verbindliche, einheitliche Materialqualitäten zur Errichtung von Basis- oder Ober flächenabdichtungen in Deutschland einzuführen. Autoren: Dipl.-Ing. Jens Bethge, Dipl.-Ing. agr. Roland Knabe; beide Strabag Umwelttechnik GmbH, Bremen Bei industriell hergestellten Abdichtungskomponenten (Geotextilien) ist das aus Sicht von Baufirmen auf jeden Fall sinnvoll. Bei natürlichen Materialkomponenten, wie z. B. Gasdränschichten und dem Rekultivierungsboden, stößt diese Vereinheitlichung jedoch an Grenzen. In der BQS gibt es daher auch einen gewissen Spielraum für die einzelnen Schichten und Materialien. Aber: In der Praxis wird dieser zugelassene Spielraum nur selten von den zuständigen Genehmigungsbehörden, Fremdüberwacherinnen und -überwachern sowie Planenden ausgeschöpft. Die BQS lassen die Möglichkeit offen, ein standortspezifisch angepasstes Abdichtungssystem zu errichten. Dieser Vorteil bleibt ebenfalls häufig ungenutzt. Schon bei den Ausschreibungen werden aus Sicht der Bauausführenden die einzelnen Systemkomponenten nicht ausreichend auf ihre Eignung und Verfügbarkeit in Bezug auf die regionalen Besonderheiten des jeweiligen Standorts überprüft. Um z. B. die Anforderungen für den Rekultivierungsboden zu erfüllen, müssen in bestimmten Regionen ein Kompost zugemischt oder die Schichtstärke erhöht werden. In der Ausschreibung wird die Berücksichtigung solcher regio naler Besonderheiten meist den ausführenden Firmen überlassen. Die BQS verwenden Formulierungen wie „sollte“, „könnte“ oder „wenn möglich“. So tragen die BQS der Tatsache Rechnung, dass die regionalen, stets individuellen Eigenschaften von Böden und Untergründen In den BQS gibt es einen gewissen Spielraum für die einzelnen Schichten und Materialien in die Planungen der Ausschreibenden einfließen müssen. Die Genehmigungsbehörden sehen in dieser Wortwahl jedoch eher einen Grund zur Verunsicherung. Auf diese Weise kann es passieren, dass die Behörden ein und dasselbe Material unterschiedlich bewerten. Um der Auftraggeberseite ein entsprechendes Angebot unterbreiten zu können, muss den Auftragnehmerinnen und Auftragnehmern bereits in der Ausschreibungsphase eine eindeutige Leistungsbeschreibung sowie die nötige Bearbeitungs- 30 wlb 1/2016

ABFALLTECHNIK/RECYCLING 01 Deponiebetrieb und Verfüllung 02 Oberflächenabdichtungen zeit zur Verfügung gestellt werden. Nur so kann sichergestellt werden, dass vergleichbare Angebote zur Wertung kommen beziehungsweise eine wettbewerbsgerechte Wertung überhaupt möglich ist. So darf beispielsweise nicht die Lieferung von mineralischem Dichtungsmaterial gefordert und gleichzeitig die Angebotsphase auf vier Wochen beschränkt sein, da hier Eignungsuntersuchungen erfolgen müssen, die den gesetzten Bearbeitungszeitraum für die Angebotsabgabe überschreiten. Besonders für die Angebotsphase ist eine Berücksichtigung der vorgegebenen Vertragsbedingungen bei der Anwendung der BQS zu beachten. Wenn die BQS von den handelnden Personen so eingesetzt werden, dass die vorhandenen Spielräume ausgeschöpft und die Standards vor dem Hintergrund praktischer Erfahrungen und technologischer Weiterentwicklungen laufend angepasst werden, dann sind die BQS aus der Sicht von bauausführenden Unternehmen sinnvoll. Es sind nicht die BQS selbst, die den Baufirmen Probleme bereiten, sondern die Begleiterscheinungen, die aus dem nicht fachgerechten Umgang mit diesen anwendbaren Regelwerken resultieren und die Ausführung erschweren. www.strabag-umwelttechnik.com 03 Bodenbehandlung und -verwertung wlb 1/2016 31