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wlb - Wasser, Luft und Boden 1/2016

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wlb - Wasser, Luft und Boden 1/2016

LUFTREINHALTUNG/KLIMASCHUTZ Sauber und effizient Neue Lösungswege zur Emissionsminderung in der Industrie Oliver Schönfeld Industrieunternehmen sehen sich permanent wachsenden Anforderungen zur Reduktion ihrer Emissionen gegenüber: Bereits geltende Verschärfungen der Emissionswerte, die der 13. und 17. Bundes- Immissionsschutzverordnung (BImSchV) unterliegen, zählen ebenso dazu wie weitere Veränderungen im Zuge der TA Luft 2017. Neben der Einhaltung der gültigen Normen haben Anlagenbetreiber vor allem drei Aspekte im Blick: die Wirtschaftlichkeit der Lösung, einfache Nachrüstbarkeit und modulartige, flexible Anpassungsund Erweiterungsmöglichkeiten. Autor: Oliver Schönfeld, Redaktionsbüro Schönfeld PR, Nottuln Mit der Novellierung der bisherigen 17. BImSchV wurden die Grenzwerte für Quecksilber sowie Emissionsgrenzwerte für Stickstoffoxide weiter verschärft und zudem Grenzwerte für Ammoniak eingeführt. Auch die in einer ersten Entwurfsfassung vorliegende TA Luft lässt das übergeordnete umweltpolitische Ziel der Verringerung der Stickoxidemissionen klar erkennen. So sollen die NO x -Grenzwerte im Abgas von Feuerungsanlagen, Gasturbinen und Verbrennungsmotoranlagen < 50 MW künftig teilweise drastisch reduziert werden. Ebenso sollen organische Inhaltsstoffe (VOC) etwa in Abgasen weiter vermindert werden. Das Ziel ist somit klar – doch wie sieht der Weg zu effizienten Minderungsstrategien aus? Dies hängt naturgemäß von den Gegebenheiten in der jeweiligen Anlage ab. Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen sowie die Bewertung von Energie- und Ressourceneffizienz bilden wesentliche Bausteine einer Konzeption, die schließlich in praktische Maßnahmen münden kann. Quecksilberreduktion Dies betrifft nicht zuletzt Quecksilber: Hg und seine Verbindungen werden als gesundheitsgefährdend und aufgrund ihrer weiträumigen Verbreitung über den Luftpfad als besonders kritisch eingestuft. Um die ubiquitäre Verteilung dieser Stoffe zu reduzieren, haben sich mit der Unterzeichnung eines multinationalen Umweltabkommens insgesamt 90 Staaten, darunter die Bundesrepublik Deutschland, verpflichtet, Quecksilberemissionen aus technischen Anlagen zu vermindern (Minamata-Konvention). Die Fertigstellung und Veröffentlichung der BREF-Neufassung „Großfeuerungsanlagen“ ist noch im Laufe dieses Jahres zu erwarten. Nach der Umsetzung der BREF-Inhalte in das deutsche Recht und der entsprechenden Umsetzungsfrist sind ab 2021/22 aller Voraussicht nach verschärfte Grenzwerte für die Hg-Emission zu erwarten. Lösungswege, wie sich etwa in kohlegefeuerten Kraftwerken die Quecksilber- Emissionen nachhaltig reduzieren lassen, wird im Zuge der VDI-Tagung Dr. Jan Schütze von der VPC-GmbH aufzeigen. Er berichte über konkrete Maßnahmen und ihre Erfolgsaussichten wie den Einsatz von Katalysatoren, die Brom-Dosierung in den Kesseln oder den Zusatz von Aktivkohle zum Rauchgas. Dabei dürfte es keine Überraschung sein, dass es den einen Königsweg für (fast) alle Kraftwerke nicht geben wird. Da keine An lage der anderen gleicht, wird das am besten geeignete Ver-

LUFTREINHALTUNG/KLIMASCHUTZ fahren für die jeweilige Emis sionssituation auszuwählen sein. Über Primärmaßnahmen zur Minderung von NO x -Emissionen in der Hochtemperatur-Thermoprozesstechnik wird Jörg Leicher vom Gas- und Wärme-Institut Essen berichten. In vielen Bereichen der Thermoprozesstechnik wie der Glas-, Keramik- oder Metallindustrie werden prozessbedingt hohe Temperaturen benötigt, etwa zum Einschmelzen von Werkstoffen oder auch zur Wärmebehandlung. Technische Weiterentwicklungen der Thermoprozesstechnik ermöglichen es heute, trotz stetig steigender Anforderungen an Produktqualität und Anlageneffizienz, immer strengere NO x -Grenzwerte einzuhalten. Ein Beispiel: Bei der indus triellen Glasherstellung werden Prozesstemperaturen von bis zu 1600 °C benötigt, wobei lokal in den Anlagen noch weitaus höhere Temperaturen auftreten. Hier haben sich verschiedene verbrennungstechnische Primärmaßnahmen etabliert. Lösungsansätze reichen beispielsweise von der optimierten Strömungs- und Verbrennungsführung im Ofenraum über die „flammlose Oxidation“ bis hin zur Oxy-Fuel- Verbrennung. Ein weiteres Emissionsminderungsthema, das sich auf zahlreiche Unternehmen auswirkt, betrifft die wirtschaftliche Reduktion von VOC und Gerüchen. Möglichst geringe Invest- und Betriebskosten, geringer Platzbedarf und hohe Betriebsstabilität, so lauten die wichtigsten Kriterien, die an die Auswahl geeigneter Technologien gestellt werden. Die weiterentwickelte, neue Foto oxidationstechnologie zeigt bereits heute Möglichkeiten, diesen vielfältigen Anforderungen zu genügen. Die Bestrahlung mit UV-Licht für die Desinfektion ist seit langem bekannt und erprobt. Der Einsatz zum oxidativen Abbau von VOC und Gerüchen in der Luft gelang jedoch erst in den letzten Jahren bis zur Anwendungsreife, wird Frank Seitz von der IBL Umwelt- und Biotechnik GmbH berichten. Die Entwicklung von leistungsstarken Mitteldruckstrahlern zur anwendungsbezogenen Erzeugung von VUV- und UVC-Strahlung hat neue Möglichkeiten eröffnet, sodass sich auch kom plexe Luftreinigungsaufgaben zur Senkung von VOC-Emissionen CO 2 -emissionsneutral, betriebskostensparend und platzsparend realisieren lassen. Ausblick VDI-Fachtagung NO X -Grenzwerte im Abgas von Feuerungsanlagen, Gasturbinen und Verbrennungsmotoranlagen sollen teilweise drastisch reduziert werden Über den Stand der Technik und zukünftige Perspektiven werden Fachleute aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik im Zuge der VDI-Fachtagung „Emissionsminderung“ am 26. und 27. April 2016 in Nürnberg diskutieren. Details zu den aktuellen rechtlichen Rahmenbedingungen, insbesondere mit Bezug zur TA Luft, werden beispielsweise im Zuge der Fachtagung Bernd Krause, Rolf Becker und Rainer Remus vom Umweltbundesamt erläutern. Fotos: GEA Bischoff , Pixabay www.vdi.de/emissionsminderung E I N L A D U N G Mittwoch, 13. April 2016 8:00 bis 16:00 Uhr Jahrhunderthalle Pfaffenwiese 301 65929 Frankfurt am Main Messtechnik Steuerungstechnik Regeltechnik Prozessleitsysteme Automatisierung Führende Fachfirmen der Branche präsentieren ihre Geräte und Systeme und zeigen neue Trends im Bereich der Automatisierung auf. Die Messe wendet sich an Fachleute und Entscheidungsträger die in ihren Unternehmen für die Automatisierung verantwortlich sind. Der Eintritt zur Messe und die Teilnahme an den Fachvorträgen ist für die Besucher kostenlos. MEORGA GmbH Sportplatzstraße 27 66809 Nalbach Tel. 06838 / 8960035 Fax 06838 / 983292 www.meorga.de info@meorga.de Meorga.indd 1 11.02.2016 11:53:36 wlb 1/2016 21