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wlb - Wasser, Luft und Boden 1/2015

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ERKUNDUNG Kosten senken

ERKUNDUNG Kosten senken Neue Methoden für die Altlastenerkundung Tilo Arnhold Mit neuen Methoden könnten Erkundung und Langzeitüberwachung von Altlasten wesentlich günstiger werden als bisher möglich. Die Behörden und Sanierungpflichtige in Europa könnten so Kosten einsparen und diese auch zur Sanierung weiterer Flächen nutzen. Dies ist ein Ergebnis des EU- Forschungsprojektes Modelprobe, das vom UFZ koordiniert wurde. In Europa existieren über 20 000 komplex und großflächig kontaminierte Flächen. Diese sogenannten Megasites gefährden die knappen Boden- und Wasserressourcen und verursachen Umwelt- und Gesundheitsrisiken sowie ökonomische und soziale Kosten. Ihre effiziente und nachhaltige Revitalisierung bedarf neuer Erkundungsund Sanierungstechnologien und integrierter Bewertungsansätze zur Optimie-rung von Nachnutzungsoptionen. Insgesamt 15 Partner aus acht Ländern haben daher im Rahmen des EU-Projektes Modelprobe (Model driven Soil Probing, Site Assessment and Evaluation) neue Methoden zur Erkundung von kontaminierten Standorten und zur begleitenden Untersuchung (Monitoring) von Sanierungsmaßnahmen entwickelt. Diese Methoden, die wenig oder gar nicht in den Untergrund eingreifen, wurden an Referenz-Standorten des UFZ wie zum Beispiel in Zeitz erprobt, überprüft und mit klassischen Methoden verglichen. Die EU hat diese interdisziplinären Untersuchungen mit insgesamt rund drei Millionen Euro gefördert. Schadensherde eingrenzen Um die Schadstoffbelastung im Untergrund erkennen zu können, werden bisher meist Autor: Tilo Arnhold, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung – UFZ, Leipzig Boden- und Grundwasserproben entnommen. Belastungen können jedoch nur dann erkannt werden, wenn die Probenahmen an den optimalen Stellen und in einem ausreichend dichten Messnetz erfolgen. Von deren Genauigkeit hängt ab, wie gut die Belastung erkannt werden kann. Die Wissenschaftler haben daher an zeitversetzten geophysikalischen Messungen gearbeitet, um die Genauigkeit der Erkundung zu verbessern und auch die Dynamik durch hydraulische Veränderungen und mikrobielle Aktivität erfassen zu können. Das Projekt Modelprobe integriert zudem neue Methoden, mit denen durch die Analyse der Vegetation wichtige Informationen über Schadstoffbelastungen im Untergrund gewonnen werden können. Auf der Basis dieser nicht-invasiven Methoden der Standorterkundung wird dann das Ausmaß der Kontaminationen und die Heterogenität des Untergrundes lokalisiert. „Mittels Rammkernsondierungen (Direct Push) mit gekoppelten geophysikalischen und hydrologischen Sondensystemen und verbunden mit Methoden der chemischen, toxikologischen und Isotopen-Analysen werden dann sogenannte Hotspots untersucht, um die Schadensherde einzugrenzen und rechtsmittelfest zu identifizieren“, erläutert Projektkoordinator Prof. Matthias Kästner vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ). Außerdem werden biologische Prozesse wie der Schadstoffabbau oder toxische Wirkungen am Standort mithilfe von Passivsammlern, Biosensoren und Mikrokosmen mit nachfolgender Isotopen- und Biomarkeranalyse beobachtet. Wegen dieser komplexen Betrachtung waren an den Untersuchungen nicht nur Wissenschaftler/innen aus dem Department Umweltbiotechnologie, sondern auch aus den Departments Grundwassersanierung, Monitoring- und Erkundungstechnologien, bioanalytische Ökotoxikologie und Isotopenbiogeochemie beteiligt. Länderübergreifende Erprobung Erprobt wurden diese Verfahren nicht nur in Zeitz, sondern auch von Projektpartnern in Italien, Norwegen und Tschechien. Ziel war es, durch eine integrierte, statistische Analyse und Modellierung auf unterschiedlichen Ebenen einen neuen Blick auf Boden- und Untergrundkontaminationen zu ermöglichen und eine fundierte Basis für künftige Risikobewertungen und nachhaltige Sanierungskonzepte zu bieten. Zu den Ergebnissen, mit denen die Wissenschaftler die Arbeit für Behörden und Ingenieurbüros erleichtern wollen, gehören ein Methodenhandbuch zur Charakterisierung kontaminierter Standorte und ein frei zugänglicher E-Learning- Kurs. Dieser kann über folgende Internet- Adresse aufgerufen werden: www.modelprobedisseminationsystem.com www.ufz.de 2 Terra Tech 1/2015

SPEKTRUM Dr. René Rüdinger ist neuer CFO bei Arcadis Deutschland Arcadis, eine der führenden globalen Planungs- und Beratungsgesellschaft für „Natural and Built Assets“, teilte mit, dass Dr. René Rüdinger (Bild) seit dem 1. Dezember 2014 die Funktion des Chief Financial Officer (CFO) der Arcadis Deutschland GmbH übernommen hat. Der promovierte Wirtschaftswissenschaftler folgt damit auf Adam Mahr, der aus Altersgründen aus dem Unternehmen ausgeschieden ist. Dr. Rüdinger arbeitete nach seinem internationalen Studium in Kassel, Lyon und Madrid zunächst als Projektleiter für die internationale Beratungsgruppe PA Consulting Group. Später war er CFO einer Tochtergesellschaft der Daimler AG und leitete vom Jahr 2007 bis zu seinem Wechsel zu Arcadis als CEO das Automobilzulieferunternehmen Albonair. In dieser Zeit wurde neben zahlreichen erfolgreichen Produktneueinführungen die internationale Expansion des Unternehmens nach Indien, China und Japan erfolgreich betrieben. In seiner neuen Position als CFO und Mitglied der Geschäftsleitung verantwortet Dr. Rüdinger künftig die Bereiche Finanzmanagement, Controlling und Rechtswesen. Marcus Herrmann, CEO von Arcadis Deutschland: „Mit Dr. Rüdinger konnten wir einen sehr vielseitigen und erfahrenen Finanzmanager für unser Unternehmen gewinnen, der neben seiner fachlichen Qualifikation auch durch seine offene Persönlichkeit überzeugt. Wir freuen uns nun darauf, gemeinsam mit ihm wichtige Impulse für den weiteren Geschäftsausbau zu setzen.“ www.arcadis.de Startschuss für das internationale Jahr des Bodens 2015 Die Vereinten Nationen haben das Jahr 2015 zum internationalen Jahr des Bodens ausgerufen. Aus guten Grund, denn unsere Böden sind in Gefahr: „Weltweit gehen fruchtbare Böden durch Erosion verloren, werden vergiftet oder versiegelt. Der Schutz der Böden ist aber lebenswichtig. Denn Böden stellen Nahrung, Futtermittel und nachwachsende Rohstoffe bereit – und das bei immer mehr Menschen auf dem Planeten und immer anspruchsvollerem Konsum. Deutschlands Verantwortung zum Schutz der Böden geht dabei weit über die Landesgrenzen hinaus. Böden sind die wichtigste Grundlage für unsere Ernährung und erfüllen weitere essenzielle Funktionen: Sie filtern Schad- und binden Nährstoffe, und sichern als Wasserspeicher unsere Versorgung mit Trinkwasser. Weltweit speichern Böden etwa 1500 Mrd. t Kohlenstoff. Das ist etwa die doppelte Menge des Kohlenstoffs, der sich als CO 2 in der Atmosphäre befindet. Der Schutz der Böden ist daher auch für den Klimaschutz ganz entscheidend. Geradezu dramatisch entwickelt sich der anhaltende Verlust fruchtbarer Böden: Derzeit gehen jährlich etwa 10 Mio. ha weltweit verloren. Bild: Fotolia www.umweltbundesamt.de Dr. Roland Arnz wird neuer Geschäftsführer des AAV Dr. Roland Arnz (Bild) hat zum 01.01.2015 den Posten des AAV-Geschäftsführers in der Hattinger Geschäftsstelle angetreten. Wie der stellvertretende Verbandsvorsitzende Hans Gennen mitteilt, freut sich der AAV-Vorstand, mit Arnz einen ausgewiesenen und erfahrenen Fachmann gefunden zu haben, der dem Verband künftig sein praktisches Wissen verbunden mit seiner langjährigen Managementerfahrung zur Verfügung stellen wird. Arnz übernimmt nun in Hattingen die AAV-Geschäftsstelle mit derzeit 21 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Bis 2013 war er alleiniger Geschäftsführer der TAUW GmbH mit Sitz in Moers, die den AAV bei verschiedenen Sanierungsprojekten unterstützt hat. Arnz sieht seiner neuen Aufgabe mit Freude entgegen: „Der AAV ist ein hoch angesehener Verband. Er leistet einen wesentlichen Beitrag zur Altlastensanierung und Flächenrecycling in Nordrhein-Westfalen. Ich freue mich sehr auf die neue Aufgabe und die Zusammenarbeit mit dem erfahrenen Team und den Kolleginnen und Kollegen der Verbandsgremien und Mitglieder.“ www.aav-nrw.de Bodenatlas 2015 veröffentlicht Die Heinrich-Böll-Stiftung, das Institute for Advanced Sustainability Studies (IASS) in Potsdam, der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und Le Monde Diplomatique haben die erste Ausgabe ihres Bodenatlas 2015 mit Daten, Grafiken und Fakten über die Bedeutung, die Nutzung und den Zustand von Land, Böden und Agrarflächen in Deutschland, Europa und weltweit veröffentlicht. Der Bodenatlas 2015 macht es greifbar: Land und Böden werden immer knapper. Der Konsum der EU-Bürger benötigt eine Fläche von rund 640 Mio. ha pro Jahr, eineinhalb Mal mehr als die Fläche aller 28 Mitgliedstaaten zusammen beträgt. Rund 60 % der für den europäischen Konsum genutzten Flächen befinden sich außerhalb der EU. Damit ist Europa der Kontinent, der für seinen Lebensstil, seine Agrarindustrie und seinen Energiehunger am meisten von Land außerhalb seiner Grenzen abhängig ist. Nachteilig wirke sich auch die einseitige Agrarförderpolitik der EU und Deutschlands aus. Sie fördere vor allem das Wachstum landwirtschaftlicher Großbetriebe und die Konzentration des Landbesitzes in den Händen weniger. Dies gelte insbesondere für den Osten Deutschlands und Europas. Eine Folge dieser Landkonzentration sei auch der Anstieg der Preise für Ackerland. So habe sich der Bodenpreis in Deutschland innerhalb von zehn Jahren verdoppelt. In Rumänien seien die Preise für Ackerland im selben Zeitraum sogar um 1800 % gestiegen. Die Herausgeber des Bodenatlas 2015 wollen im UN-Jahr der Böden zeigen, warum der Schutz der Böden uns alle angeht und wie besserer Bodenschutz gelingen kann. Eine gerechte und nachhaltige Land- und Bodenpolitik lohnt sich. Dazu können auch Verbraucher beitragen, wenn sie beim täglichen Einkauf an den Schutz der Böden denken. Den Bodenatlas 2015 finden Sie zum Download im Internet. www.bund.net TerraTech 1/2015 3